Kirchenprojekt pflanzt heimische Obstbäume

Eine Streuobstwiese zum Verweilen

Weil der Stiftung der Kirchengemeinde Munster während der Pandemie die Förderprojekte abhanden gekommen sind, kamen die Verantwortlichen auf eine Idee: Sie realisierten eine Streuobstwiese mitten im Ort.

Die Kirchengemeinde Munster erschafft mitten in der Innenstadt eine grüne Oase.

von Andres Wulfes

Munster. Für Martin Luther gab es keinen Zweifel: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll der Reformator gesagt – und damit gegen allen Pessimismus ein Zeichen der Hoffnung gesetzt haben. Auch ganz ohne Untergangsstimmung will die Kirchengemeinde Munster einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten und hat ein Projekt für die Zukunft gestartet: Sie will die weitläufige Fläche neben dem Ludwig-Harms-Gemeindehaus in unmittelbarer Nähe der St.-Urbani-Kirche in eine bunte Streuobstwiese verwandeln. Damit will die Gemeinde einen Platz zum Verweilen gestalten, der allen Besuchern offensteht.

Mehr als 40 Obstbäume sollen dort, mitten in der Munsteraner Innenstadt, bald wachsen, blühen und Früchte tragen. Der Anfang ist gemacht. Beim Erntedank-Gottesdienst wurde der erste Apfelbaum gesetzt. Und am 11. und 12. November wurden unter Beteiligung zahlreicher Freiwilliger die Vorbereitungen für die Pflanzung der restlichen Bäume getroffen, die noch im Herbst erfolgen soll.

Die Kirchenstiftung initiiert das Projekt, „und wir wollen damit auch zeigen: Kirche ist nicht von gestern, sondern tut etwas, bringt sich auch gegen den Klimawandel ein“, sagt Wolfgang Bunk, Vorstandsmitglied der Kirchenstiftung. Das passe gut in bisherige Bemühungen rund um den Grünen Hahn, das Umwelt­management der Landeskirche, mit dem die Kirchengemeinde beispielsweise intensiv versucht, Energie zu sparen und die Umweltbelastung zu reduzieren.

Es werden nur heimische Obstsorten gepflanzt

„,Schuld‘ an der Streuobstwiese ist Corona“, sagt Bunk lachend. Da angesichts der Pandemie viele Vorhaben der Kirchengemeinde nicht zu verwirklichen waren – und entsprechend keine Förderung durch die Stiftung nötig war –, diskutiert der Vorstand andere Möglichkeiten der Projektförderung. Das Ziel: ein möglichst nachhaltiges Projekt, das viele Menschen einbinden kann. Die Idee mit der Streuobstwiese hatte Anke Heidelberg und rannte damit bei ihren Vorstandskollegen offene Türen ein.

Ein Grundstück sei schnell gefunden gewesen: die große Wiese nahe der Kirche. Durch die Nähe zum Flüsschen Örtze sei das Grundstück jedoch stellenweise sehr nass. Glücklicherweise gebe es aber Obstsorten, die diesen Standort gut vertragen, berichtet Bunk. Mithilfe des Pomologen Eckart Brandt aus Buxtehude wurden die richtigen Bäume ausgesucht.

Auf der Wiese werden verschiedene alte Sorten gepflanzt, Apfelbäume, aber auch Birnen, Kirschen und Mirabellen – „alles heimische Obstsorten, aber keine, die gängig sind“, so Bunk. Die Bäume, die im Abstand von etwa fünf Metern stehen, werden von Blühpflanzen und -sträuchern umgeben, um Bienen und Hummeln anzulocken. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die Sichtachsen zur Örtze frei bleiben.

Baumpaten kümmern sich um den Bestand

Die Resonanz ist bereits jetzt groß. „Ganz viele Leute sind auf uns zugekommen, möchten sich beteiligen und spenden“, sagt Bunk. Davon seien er und seine Vorstandskollegen selbst überrascht gewesen. Die Kirchenstiftung will Interessenten nun anbieten, Baumpate zu werden. Dabei gehe es nicht nur darum, Geld zu spenden, sondern sich auch bei notwendigen Arbeiten zu engagieren. „Mit Baumpflanzen ist es schließlich nicht getan, die Wiese muss gepflegt, das Obst geerntet werden.“

Auch für die Früchte gibt es schon Pläne. So gibt es Überlegungen, das Obst zur Mosterei vor Ort zu bringen und dann in den Kirchen-Streuobstwiesenmost zu vermarkten. „Das ist alles positive Werbung für die Kirche“, freut sich Bunk, der bereits eine weitere Idee hat: Als nächstes Vorhaben könnte der Bereich noch um einen Bibelgarten ergänzt werden.

Wer eine Baumpatenschaft übernehmen möchte, kann sich an Anke Heidelberg unter Telefon 05192/5228 oder Wolfgang Bunk unter Telefon 05192/6666 wenden.

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