Eine Stimme für Arbeitslose

Mit einer Diskussionsreise durch Norddeutschland wollen die Kirchlichen Dienste in der Arbeitswelt (KDA) auf die Situation von Langzeitarbeitslosen aufmerksam machen.

Das gemeinsame Projekt soll Demokratie stärken: Matthias Jung und Heike Riemann
Das gemeinsame Projekt soll Demokratie stärken: Matthias Jung und Heike Riemann

Hamburg. Viele Langzeitarbeitslose wählen nicht mehr. Sie fühlen sich ausgegrenzt und haben das Gefühl, dass keine Partei ihre Interessen vertritt. Dabei sind sie durchaus politisch interessiert. Sie finden sich nur in keinem Parteiprogramm wieder. Das ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt in vielen Städten Norddeutschlands diskutiert werden soll. Zum ersten Mal haben sich die vier Kirchlichen Dienste in der Arbeitswelt (KDA) im Norden zusammen­getan, um mit einer Diskussionsreihe auf „Langzeitarbeitslosigkeit und Demokratie“ aufmerksam zu machen.

Der KDA der Landeskirchen Bremen, Oldenburg, Hannover sowie der Nordkirche und Vertreter der Denkfabrik „Neue Arbeit“ laden zu Diskussionsveranstaltungen von Schwerin bis Hannover ein. Es geht darum, wie Demokratie „von unten“ gesehen wird und was Langzeitarbeitslose brauchen, um sich wieder vertreten zu fühlen und selbst einzubringen.

Interviews auf Augenhöhe

Die Grundlage bildet die Studie „Gib mir was, was ich wählen kann“. Angefertigt hat sie die „Denkfabrik der Neuen Arbeit Stuttgart“ mit dem Evangelischen Fachverband für Arbeit und soziale Integration und der Initiative Pro Arbeit. Das Besondere: Langzeit­arbeitslose sind speziell geschult worden, um die Interviews mit anderen Arbeitslosen selbst zu führen. Auch an Auswertung und Interpretation der Ergebnisse waren sie beteiligt.

Die Studie enthält bereits konkrete Forderungen, darunter an erster Stelle die Aufforderung der Langzeitarbeitslosen: „Hört uns zu! Redet mit uns. Interessiert euch für unsere prekäre Lebenswirklichkeit. Lernt uns kennen.“ Entsprechend betont Heike Riemann vom KDA der Nordkirche: „Wir wollen hören und lernen.“ Nicht über Langzeitarbeitslose entscheiden, sondern von ihnen selbst erfahren, was sie brauchen, das sei wichtig.

Diskussion in der Rathauspassage

Die Veranstalter hoffen, damit auch die Demokratie zu stärken, denn: „Es ist ein Alarmsignal, wenn Menschen sagen: Ich kann nichts wählen“, sagt Landessozialpfarrer Matthias Jung, Leiter des Fachbereichs „Kirche. Wirtschaft. Arbeitswelt“ der hannoverschen Landeskirche. In der Rechtslage hat sich mittlerweile etwas getan. Als die Diskussionsreise geplant wurde, gab es das „Teilhabechancengesetz“ noch nicht, mit dem Langzeitarbeitslose besser gefördert werden sollen. Seit Anfang dieses Jahres ist es in Kraft.

In Hamburg findet am Montag, 6. Mai, von 19 bis 21 Uhr die öffentliche Vorstellung und Diskussion der Studie in der Rathauspassage statt. Luise Janke und Jan Velimsky von der „Denkfabrik der Neuen Arbeit Stuttgart“ werden berichten, wie die Studie entstanden ist. Anschließend können die Anwesenden diskutieren, was Langzeitarbeitslose brauchen, um politisch wieder wahrgenommen zu werden. Eingebunden sind auch die Fachstelle Gemeinwesendiakonie des Kirchenkreises Hamburg-Ost und die Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie des Rauhen Hauses. Riemann hofft, dass sich daraus Impulse für weitere Veranstaltungen ergeben.

„Gib mir, was ich wählen kann.“
Demokratie ohne Langzeitarbeitslose?
Halem-Verlag, 356 Seiten, 28,- Euro
ISBN 978-3869622934