Ein Wintercafé statt Wärmestube

In Iserlohn bieten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde gemeinsam ein Wintercafé an, das für jeden einen warmen Raum, Getränke und Gespräche bereit hält. Das Angebot wird gut angenommen.

Unübersehbare Einladung per Banner, hier vor der Herz-Jesu-Kirche in der Grüne in Iserlohn.
Unübersehbare Einladung per Banner, hier vor der Herz-Jesu-Kirche in der Grüne in Iserlohn.Bernhard Laß

„Mit Corona ist doch alles weggebrochen. Früher war ich oft beim Arbeitslosentreff in der Heilig-Geist-Kirche. Gibt es alles nicht mehr. Als ich im Stadtspiegel von dem Wintercafé hier gelesen habe, sagte ich zu meiner Freundin, da gehen wir hin! Andere Möglichkeiten gibt es doch kaum.“
Angeregt im Gespräch vertieft sitzen sie da, zusammen mit rund 20 anderen im Gemeinderaum der Herz-Jesu-Kirche in der Grüne in Iserlohn. „Nein, wir kannten hier niemanden, wir kommen aus Wermingsen, doch wir sind herzlich aufgenommen worden und die Atmosphäre ist prima“, sagen die Beiden.

Ein Ehepaar ist ganz spontan gekommen, als sie am späten Vormittag vom Wintercafé in der Tageszeitung gelesen haben. „Eine warme Stube, ein Tässchen Kaffee, ein Stück Kuchen und nette Leute, mit denen man endlich mal wieder ein Pläuschchen halten kann, was will man mehr? Das hat uns so lange gefehlt“, ist auch hier die einhellige Meinung.

„Vor einigen Wochen bin ich aus der JVA in Attendorn entlassen worden. Und jetzt, Wohnung weg, Möbel weg, nichts mehr da. Eine gute Freundin hat mich aufgenommen und wir helfen uns gegenseitig. Irgendwie muss es ja weitergehen. Das hier ist eine gute Abwechslung, da kommt man für Momente auf andere Gedanken“, sagt einer der Besucher.

35 Jahre war sie bei den Grünen Damen im Bethanien aktiv, doch nun mit über 80 Jahren ist Schluss. Heute hatte sie den Wunsch mit einer Bekannten hier her zu kommen und aus dem Wunsch ist Freude geworden. „Hier zu sein, mit anderen katholischen und evangelischen Gläubigen.“

Alle sind willkommen

Bunter geht es kaum und so war es gewollt. „Alle, egal ob bedürftig oder nicht sind hier willkommen und sollen sich wohlfühlen, denn Begegnung wärmt auch die Seele und das ist in dieser Zeit der Krisen vielleicht das Wichtigste“, sagt Pfarrer Bernd Neuser, einer der Initiatoren an diesem ersten Nachmittag und freut sich über die gute Resonanz.

Denn die Wintercafé-Gruppe hat eine Menge Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. Drei große Banner wurden an den Kirchen und am Kreisel in der Grüne aufgehängt. Dazu 600 Handzettel gedruckt und in der Ober- und Untergrüne und darüber hinaus in die Briefkästen gesteckt. Plakate weisen in Schaukästen und in den Geschäften auf das Angebot hin und auch die Zeitungen haben informiert. Und das Fünferteam des heutigen Nachmittags hat nicht nur für die Verköstigung gesorgt, Kaffee gekocht und Schnitten geschmiert, sondern auch den Raum adventlich geschmückt und hat als Ansprechpartner*in für alle ein Ohr.

Und so ist es gekommen

Angefangen hat alles vor einigen Wochen. Da haben sich Vertreter*innen aus der
Ev. Christus-Kirchengemeinde am Roden und aus der kath. Herz-Jesu-Gemeinde in der Grüne zusammengesetzt und überlegt, wie sie ein Angebot in den Wintermonaten schaffen können, Menschen einen angenehmen Aufenthaltsort anzubieten. Warm und gemütlich sollte er sein, offen für alle, mit niedriger Hemmschwelle, an dem man bei Kaffee und Kuchen oder einem herzhaften Schnittchen mit anderen ins Gespräch kommen kann. Und da es zwei Gemeinden sind, die an der Aktion beteiligt sind, sollte das Wintercafé im monatlichen Wechsel in den Gemeindehäusern der jeweiligen Kirche stattfinden. Nach zwei interkonfessionellen Sitzungen stand das Konzept und eine Gruppe von 15 ehren- und hauptamtlichen Kräften fand sich bereit die vom 13. Dezember bis Anfang März geplanten Dienstag-Nachmittage vorzubereiten und zu gestalten und so hieß es in ökumenischer Verbundenheit: „Das Wintercafé findet statt“.

Anstoß zu dieser Aktion hat u.a. die Evangelische Kirche von Deutschland gegeben, die die Mehreinnahmen bei den Kirchensteuern in der Energiekrise für die Menschen in der Gemeinde einsetzen will. Dabei sollen vor allem Bedürftige davon profitieren. Die, die sonst keine Lobby haben. Ihnen soll mit der Aktion „#Wärmewinter“ ein Anlaufpunkt in Krisenzeiten geboten werden. Eine warme Stube, nicht nur beheizt, sondern auch mit menschlicher Wärme erfüllt.

Vorfreude auf das nächste Mal

Heute konnte man in der Grüne in Iserlohn erleben, wie das Team aus beiden Gemeinden es in ökumenischer Zusammenarbeit hervorragend geschafft hat, aus einer ‚warmen Stube‘ eine Stube voller Herzenswärme zu machen, aus der es schwer fiel nach Caféhaus-Schluss wieder in den Alltag zurück zu kehren. Doch zum Glück geht es im Januar 2023 weiter.