Ein Kunstwerk für den Friedhof

Friedhöfe sind eben auch Plätze für die Lebenden. Auf einem Friedhof in Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt eine besondere Installation zu sehen – Lebensgeschichten von Menschen inklusive.

Kinder vor dem Bauwerk aus ‚Steinen
Kinder vor dem Bauwerk aus ‚Steinen

Dreveskirchen. Ungewöhnlich und in der Region wohl einzigartig ist das Kunstwerk, das nun den Dreveskirchener Friedhof ziert. Es ist  im Rahmen des Tages des offenen Friedhofes von Gemeindepastor Roger Thomas eingesegnet worden. Aus dem Boden wachsen zwei gemauerte Säulen, die durch eine Stange verbunden sind. Diese dient als Aufhängung für neun kunststoffverstärkte Seiten, auf denen jeweils eine Geschichte zu lesen ist.

Hierbei handelt es sich um reale oder auch mit ein wenig dichterischer Freiheit gestaltete Lebens­geschichten einiger Menschen, die nur noch als Namen auf den Grabsteinen existieren. Etwa zehn Gemeindemitglieder hatten sich im Rahmen einer Geschichtenwerkstatt im vorigen Jahr unter der Leitung von Lea Liepe vom Mecklenburger Zentrum kirchlicher Dienste als Hobbyautoren dazu zusammengefunden und recherchiert.

Auf Niederdeutsch eingesprochen

Nach der Fertigstellung folgte auch ein Einsprechen der Geschichten, sodass sie zusätzlich mithilfe eines an dem jeweiligen Grab befindlichen QR-Codes auch angehört werden können. Besonderheit dabei: Einer der Texte wurde sogar auf Niederdeutsch eingelesen.

Das neue Kunstwerk steht auf dem Friedhof in Dreveskirchen Foto: Roger Thomas
Das neue Kunstwerk steht auf dem Friedhof in Dreveskirchen Foto: Roger Thomas

Für den Entwurf des Werks zeichnet die Bildhauerin Dörte Michaelis verantwortlich. Sie hatte sich in der Salzhaffregion schon mit dem Skulpturenweg einen Namen gemacht. Gemauert und gearbeitet wurde von den Blowatzer und Boiensdorfer Gemeindemitgliedern Eckbert Frank, Harald Thegler, Wilhelm Gratopp und Detlef Frehse. Dieses gemeinschaftliche Engagement verdeutlicht, weiter gefasst, auch die gemeinschaftliche Aufgabe der Kirche und der Kommunen in Friedhofsbelangen, wie Pastor Roger Thomas in seiner Ansprache betonte.

Die Kosten von 9000 Euro werden durch die 7200 Euro-Förderung aus EU-Leader-Mitteln für den ländlichen Raum und durch die Kirchengemeinde abgedeckt. Daniel Scheel, zuständig im Landkreis für deren Vergabe, zeigte sich ebenfalls erfreut über die Ausschüttung: „Wir hatten eine Liste mit insgesamt 38 Anträgen – und dieses Vorhaben lag auf dem zweiten Platz.“

Lernen von den Toten

Pastor Thomas ist sicher, dass die Installation zur Bedeutung des Friedhofs als „lebendigen Ort“ beitragen werde: „Wir können lernen von den Toten – Ehrfurcht, aber auch Lebenslust. Sie bitten um einen Platz in unserem Leben, aber Erinnerung muss nicht nur traurig sein.“ So, wie der Tag des offenen Friedhofes – mit Kaffee und Kuchen, Musik vom Orchester Capella Baltica und vielen netten Menschen.