Ein fast echter Luther steht in Hamburg auf der Kanzel

Er misst 1,75 Meter und ist aus Wachs: Die St. Pauli-Kirche in Hamburg hat aus dem Panoptikum die Luther-Figur ausgeliehen. Jetzt schaut der Reformator auf die Gemeinde herab.

Hamburg. In der Hamburger St. Pauli-Kirche steht jetzt ein echter Martin Luther auf der Kanzel. Das Panoptikum an der Reeperbahn, Deutschlands ältestes Wachsfiguren-Kabinett, hat die historische Figur des Reformators für die nächsten fünf Wochen an die Gemeinde ausgeliehen. Anlass ist der Reformationstag. Die Luther-Figur ist eine der wenigen des Panoptikums, die die Bombenangriffe auf Hamburg 1943 überstanden hat. Auf der Kanzel über dem Altar habe Luther einen Ehrenplatz, sagte Pastor Sieghard Wilm bei der Präsentation. Gerade in der heutigen Zeit seien "Menschen mit Haltung" gefragt.
Der Hamburger Martin Luther aus Wachs ist 1,75 Meter groß. In Wirklichkeit sei er wohl etwas kleiner gewesen, vermutet Hayo Faerber, der mit seiner Tochter Susanne das Panoptikum in der vierten Generation betreibt. Das genaue Entstehungsjahr sei nicht bekannt, aber er sei mindestens 100 Jahre alt. Normalerweise steht der Reformator zwischen dem englischen König Heinrich VIII. und Preußen-König Friedrich dem Großen. Beide Institutionen pflegen enge Verbindungen: Hayo Faerber ist Mitglied des Gemeinderates der St. Pauli-Kirche.
Der neue Luther blickt ernst, aber freundlich auf die St.-Pauli-Gemeinde herab. Auch die Pastoren hat er im Blick, denn gepredigt wird üblicherweise vom Bibel-Pult vor dem Altar. "Ich muss mich erst daran gewöhnen", räumt Pastor Wilm ein. Luther sei für die evangelische Kirche kein Heiliger. Es sei aber wichtig, seine Geschichte wachzuhalten. Der neue Gast werde Anstoß für die Frage sein, was Luther der Gemeinde heute noch zu sagen habe. Erster Gottesdienst mit dem neuen Gast ist am Sonntag, 30. Oktober, um 11 Uhr. Konfirmanden werden Luther-Zitate vortragen. Dazu wird die Gemeinde Luther-Lieder singen. (epd)