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Eckdaten zum katholischen Reformdialog Synodaler Weg

Der Synodale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland geht in seine letzte Runde und zieht Bilanz. Die Fortsetzung in anderer Form ist bereits eingestielt. Ein Überblick über entscheidende Wegmarken.

Vor gut sechs Jahren startete der Synodale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Zentrale Themen waren Macht, Rolle der Frauen, Sexualmoral und priesterliche Lebensform. Von Donnerstag bis Samstag zieht nun die sechste und letzte Synodalversammlung von Bischöfen und Laien in Stuttgart Bilanz. Ein Nachfolgegremium, die Synodalkonferenz, in dem die gemeinsamen Beratungen verstetigt werden sollen, könnte im November an den Start gehen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt einige wichtige Eckdaten zur deutschen Reformdebatte, die vom Vatikan kritisch begleitet wurde.

März 2019: Nach intensivem Ringen beschließen die deutschen Bischöfe den Synodalen Weg als Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf den Weg zu bringen.

Juni 2019: Nach der Ankündigung des Reformprojekts wendet sich erstmals in der jüngeren Geschichte ein Papst in einem Brief direkt an das “pilgernde Volk Gottes in Deutschland”. In dem 19-seitigen Papier lobt Franziskus das Engagement und die Reformanstrengungen der deutschen Katholiken. Zugleich mahnt er die Einheit mit der Weltkirche an.

September 2019: Die vatikanische Bischofskongregation kritisiert schriftlich die Themen und die geplanten Beschlussfassungs-Modalitäten für den Synodalen Weg, die zu wenig das verbindliche Hirtenamt der Bischöfe berücksichtigten. Der Päpstliche Rat für Gesetzestexte stellt die Frage, inwiefern der Synodale Weg überhaupt verbindliche Beschlüsse fällen kann.

Januar 2020: Erste Synodalversammlung mit den rund 230 Mitgliedern in Frankfurt, unter Leitung der Präsidenten Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, und Thomas Sternberg, Präsident des ZdK. Bereits am ersten Advent 2019 war der Synodale Weg offiziell eröffnet worden.

Oktober 2021: In Frankfurt kommt die zweite Synodalversammlung zusammen und wird vorzeitig beendet, weil das Gremium gegen Ende wegen frühzeitiger Abreise zu vieler Teilnehmer nicht mehr beschlussfähig ist. Aufgrund der Corona-Pandemie kam es zu Verzögerungen und der ursprünglich auf zwei Jahre angelegte Prozess verlängert sich absehbar.

Februar 2022: Bei der dritten Synodalversammlung in Frankfurt sprechen sich die Teilnehmenden für weitreichende Reformschritte wie eine modernere Sexualmoral aus und verabschieden erstmals Texte in Zweiter Lesung: einen Orientierungstext als theologisches Fundament, einen Grundlagentext zum Thema Macht und einen Handlungstext zu mehr Mitbestimmung bei der Wahl von Bischöfen.

Juli 2022: Mit einer ungewöhnlichen Erklärung äußert sich der Vatikan zum Synodalen Weg. In einer kurzen “Erklärung des Heiligen Stuhls” ermahnt dieser das kirchliche Reformprojekt, es könne die Gläubigen weder zu neuen kirchlichen Leitungsstrukturen noch zu neuen Ausrichtungen von Lehre und Moral verpflichten. Als Grund seiner Sorge nennt der Vatikan eine mögliche “Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und Bedrohung der Einheit der Kirche”.

September 2022: Bei der vierten Synodalversammlung kommt es zum Eklat, als ein Text zur Liberalisierung der katholischen Sexualmoral am Veto der Bischöfe scheitert. Die Versammlung überwindet die Krise jedoch und verabschiedet einen Text zu “Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche” nach langer Debatte mit überraschend breiter Zustimmung.

November 2022: Beim “Ad-Limina-Besuch” sprechen die deutschen Bischöfe mit Vatikan-Vertretern über die deutschen Reformvorhaben. Ein von vatikanischer Seite vorgeschlagenes Moratorium lehnen sie jedoch ab. Es wird vereinbart, weitere Gespräche zu führen.

Januar 2023: Kurz vor der fünften Versammlung des Synodalen Wegs teilt der Vatikan den deutschen Bischöfen schriftlich mit, die katholische Kirche in Deutschland sei nicht befugt, einen Synodalen Rat einzurichten, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam entscheiden.

Februar 2023: Der Vatikan schließt die Gründung sogenannter Synodaler Räte, also gemeinsamer Leitungsorgane von Laien und Klerikern, auch in Bistümern kategorisch aus. Der Papst-Botschafter in Deutschland, Nuntius Nikola Eterovic, erklärt, er sei von Amts wegen beauftragt, das entsprechende Schreiben aus Rom vom Januar an die deutschen Bischöfe zu präzisieren.

März 2023: Bei der fünften Vollversammlung kommt der Synodale Weg zu einem vorläufigen Abschluss. Die weitere Bearbeitung der Themen soll ein zweijähriges Interimsgremium, der Synodale Ausschuss, übernehmen. Er soll auch den Synodalen Rat als zukünftiges nationales Gremium vorbereiten. Unterdessen wendet sich der Vatikan per Brief gegen zusätzliche Befugnisse von Laien bei Taufen und die Erlaubnis zu predigen. Entsprechenden Reformforderungen des Synodalen Wegs wird eine Absage erteilt.

Oktober 2023: Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin teilt den deutschen Bischöfen in einer offiziellen Note mit, dass die den Männern vorbehaltene Priesterweihe und die Lehre der Kirche zur Homosexualität nicht verhandelbar seien. Bei beidem hatte der Synodale Weg für eine Prüfung zur Liberalisierung votiert.

November 2023: Der Synodale Ausschuss konstituiert sich in Essen. Zuvor hatten Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) sowie die Bischöfe Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Gregor Maria Hanke (Eichstätt) erklärt, dass sie an diesem Gremium nicht mitwirken; zur Begründung verwiesen sie auf Vorbehalte aus dem Vatikan.

Juni 2024: Eine Delegation der Bischofskonferenz diskutiert in Rom mit Vertretern der Kurie über das umstrittene künftige kirchliche Leitungsgremium aus Bischöfen und Laien. Dieses soll nach dem Willen des Vatikans nicht Synodaler Rat heißen; es dürfe weder über der Bischofskonferenz stehen, noch gleichrangig mit ihr sein. Aus einem anschließenden Kommuniqué geht hervor, dass künftige Beschlüsse vom Vatikan förmlich geprüft und approbiert werden müssen.

November 2025: Bei der fünften und letzten Sitzung des Synodalen Ausschusses wird die Satzung für die künftige Synodalkonferenz der katholischen Kirche in Deutschland verabschiedet. Das neue Gremium soll bestehen aus den 27 Ortsbischöfen, 27 Vertretern des ZdK sowie 27 weiteren Katholikinnen und Katholiken.

Dezember 2025: Papst Leo XIV. äußert sich zum Synodalen Weg: “Ich bin sicher, dass es weitergehen wird. Ich erwarte, dass Anpassungen auf beiden Seiten in Deutschland gemacht werden – aber ich bin sehr hoffnungsvoll, dass sich alles zum Guten wenden wird.”