Nikolaus, Heiligabend und Dreikönigstag: Adriana Montano und Moises Diaz feiern mit ihren Söhnen gleich mehrere Feste. So wollen sie die mexikanische Kultur bewahren – auch fern der Heimat.
Die Weihnachtszeit ist schon vorbei, aber für die Familie Monatano-Diaz steht das wichtigste Fest noch an: die mexikanische Version des Dreikönigstags: der “Dia de los Reyes Magos”. Die Eltern Adriana Montano und Moises Diaz verbinden seit Jahren zwei Weihnachtswelten – die ihrer mexikanischen Heimat und die ihrer deutschen Wahlheimat.
Seit 16, beziehungsweise 20 Jahren leben die Eltern hier. Sie wollen, dass ihre 12- und 8-jährigen Söhne Diego und Emilio auch die katholischen Traditionen aus Mexiko kennenlernen. “Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder die mexikanische Kultur behalten”, sagt Adriana. Gleichzeitig feiern sie Nikolaus, Laternenumzug und Heiligabend.
So dürfen die Jungs gleich zweimal ihren Schuh herausstellen: am 5. Dezember für den Nikolaus und am 5. Januar für die Heiligen Drei Könige. Am Nikolaustag bekommen sie Mandarinen, Plätzchen und Schokolade. Es sei schade, wenn die anderen Kinder an dem Tag etwas bekämen und sie nicht, sagt ihre Mutter. Am 5. Januar stellen sie ihre Schuhe für ihr eigentliches Fest raus.
Eigentlich wäre für sie erst am Dreikönigstag die Bescherung mit den großen Geschenken. Aber die Familie passte sich der deutschen Tradition an: Große Geschenke gibt es jetzt an Heiligabend. Dafür finden die Kinder am 6. Januar Süßigkeiten, kleine Spiele und einen Familienausflug in den Schuhen.
Und es gibt ein besonderes Gebäck: Rosca de Reyes. Der ovale Hefeteig umfasst das ganze Blech. “In Mexiko kann man das Brot überall kaufen”, sagt die Mutter. In Deutschland müssen sie es selbst backen, denn in ihrer Heimat Karlsruhe kennen sie keine Bäckerei, die es verkauft. Gemeinsam verziert die Familie es mit getrockneten Früchten und Nüssen. Die süßen Streifen, die Streuselteig ähneln, schmecken den Jungs besonders gut, weiß ihre Mutter.
Nach dem Backen verstecken sie darin mehrere kleine Figuren. Sie symbolisieren das Jesuskind, das vor König Herodes versteckt werden musste. Die Familie nutzt dafür Lego-Männchen. Wer eine Figur in seinem Stück Brot findet, hat die Ehre, bis zum 2. Februar symbolisch auf das Jesuskind aufzupassen. Erst dann endet aus Sicht vieler Mexikanerinnen und Mexikaner die Weihnachtszeit.
Ihr Start ist am 16. Dezember, mit den sogenannten “Posadas”. Das ist ein neuntägiger Brauch, der bis zum Heiligen Abend andauert. Wie einst Maria und Josef ziehen Singgruppen von Haus zu Haus und bitten um Einlass. “Man spricht sich vorher ab: Wer ist drinnen, wer ist draußen? Welche Häuser machen mit?”, sagt der Vater. “Es ist wie ein Theaterstück.” Denn bei wem man Einlass bekommen werde, wisse man schon vorab. Trotzdem singe man auch bei den anderen. “Als ich Kind war, war die große Straße abgesperrt, und die ganze Nachbarschaft hat gemeinsam gefeiert”, erinnert sich die Mutter.
Am Dreikönigstag umherzuziehen, ist bei ihnen jedoch nicht üblich. Stattdessen schreiben die Kinder Briefe an die drei Könige. Darin stehen ihre Wünsche. Nicht nur materielle, sondern auch Gesundheit oder welche für die Familie. Die legen sie unter den Christbaum. In Mexiko können sie ihre Briefe den drei Königen überreichen.
Vor allem in Mexiko-Stadt sei die Tradition ein Spektakel, sagt die Mutter. Sie wuchs in der Hauptstadt auf. “An jeder Ecke gibt es die drei Könige”, erzählt sie. Die Einwohnerinnen und Einwohner können ihre Wünsche an Heliumballons hängen und circa einmal die Stunde gemeinsam mit anderen in die Luft steigen lassen.
Die Freunde der beiden Söhne wissen eher wenig über die mexikanischen Bräuche. Ausnahme: der Tag der Toten am 2. November. Dann gestaltet die Familie einen Altar mit Fotos, Kerzen und Lieblingsspeisen verstorbener Angehöriger. “Die Freunde der Kinder kennen diese Tradition inzwischen und schauen manchmal sogar vorbei”, erzählt die Mutter.
Ihr Glaube fühle sich für die Eltern gleich an, auch wenn sie ihre Feiern nur noch selten in ihrer ursprünglichen Kultur erleben. Manchmal sind sie mit den Söhnen am Dreikönigstag auch in Mexiko. Dann können die beiden den drei Königen ihre Wünsche persönlich überreichen.