Idee aus Altentreptow in MV

Diese Mini-Kelche retten der Gemeinde das Abendmahl

Um trotz der Hygieneregeln Abendmahl mit Wein feiern zu können, hat sich die Kirchengemeinde Altentreptow südlich von Greifswald etwas einfallen lassen: 50 kleine Kelche.

Auch Kelche aus Silber hat die Gemeinde anfertigen lassen

von Sybille Marx

Altentreptow. Wie Miniaturen des Altentreptower Taufsteins sehen sie aus: die 50 neuen Abendmahlskelche, die die Gemeinde Altentreptow in den vergangenen Monaten hat anfertigen lassen. „Wir sind total begeistert vom Ergebnis“, sagt Michael Giebel, der mit seiner Frau Isabell als Pastorenpaar in Altentreptow arbeitet.

Wie so viele Gemeinden hatte die Altentreptower im Frühjahr zum Lockdown das Abendmahl vorerst ausgesetzt. „Als dann im Mai oder Juni Lockerungen kamen und die Nordkirche empfahl, man könne das Abendmahl wieder feiern, aber nur mit Brot, haben wir das sofort gemacht“, erinnert sich Giebel. „Aber vollständig ist das ja nicht.“ Immerhin seien die Reformatoren dafür auf die Barrikaden gegangen, dass nicht nur die Priester, sondern alle Gemeindeglieder aus dem Abendmahlskelch trinken dürften. „Das ist schon ein hohes Gut“, sagt Giebel. Und so hätten sie für die Dauer eine andere Lösung gesucht: Einzelkelche.

Bloß keine Schnapsbecher!

„Wir wollten aber nicht, dass sie wie Schnapsbecher aussehen“, erzählt Giebel. „Wenn jeder einen Becher nimmt und den Kopf in den Nacken legt, hat man sofort die Assoziation zum Trinkgelage.“ Und das sei wenig passend zu dem, was das Abendmahl als Sakrament bedeute: „dass wir Gottes Nähe in besonderer Form zugesprochen bekommen, als Vergebung der Schuld, Gemeinschaft und Freude.“

So sehen die Becher aus Porzellan aus Foto: Mathias Heck

Einem Silberschmied im Erzgebirge, an dessen Laden sie bei Familienbesuchen öfter vorbei kamen, schilderten die Giebels ihre Wünsche und Bedenken. „Er ist extra nach Altentreptow gekommen, um sich die Kirche anzuschauen“, erzählt Giebel. Dort hätten sie ihm vorgeschlagen, die Gestaltung des Kelchs an den romanischen Taufstein anzulehnen, der mit schlichten Gesichtern verziert ist. „Er hat das begeistert aufgegriffen.“ Die Becher formte der Künstler dann wie Schalen und setzte sie auf Füße.

„Das hat den Vorteil, dass beim Trinken die Nase mit in die Schale passt und man nicht den Kopf in den Nacken legen muss“, erklärt der Pastor. Einziges Problem: Aus Silber waren die Kelche für die Gemeinde zu teuer. „Wir wollten ja 50 Stück haben.“ Die Frau des Schmieds, eine Porzellandesignerin, konnte den gleichen Entwurf aber preiswerter in Porzellan umsetzen. „So sind wir auf etwa 2500 Euro gekommen“, erzählt Michael Giebel. Nur zwei Kelche hat die Gemeinde dann doch aus Silber genommen – für das Krankenabendmahl mit Einzelpersonen.

Premiere steht an

Im Sonntagsgottesdienst am 9. November sollen die neuen Kelche nun zum ersten Mal von der Gemeinde genutzt werden. „Wir sind gespannt, wie sie angenommen werden“, sagt Giebel. Das Gemeindekirchgeld, das für die Kelche gesammelt wurde, fiel jedenfalls so reich aus, dass noch Geld für anderes übrig blieb.

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