Ausstellung im Europäischen Hansemuseum in Lübeck

Die Welt der Hanse aus buntem Lego

Die Ausstellung "Hanse steinreich – eine Lego-Zeitreise" im Europäischen Hansemuseum in Lübeck zeigt Schlüsselszenen der Hanse-Geschichte – aus 500.000 Lego-Klötzen. Um die Historie genau abzubilden, mussten die Modellbauer tricksen.

Typische Altstadt-Häuser aus Lübeck – nachgebaut mit Lego-Steinen

von Nadine Heggen

Lübeck. Geschichte im Miniaturformat präsentiert das Europäische Hansemuseum in Lübeck ab 29. Mai mit der Familienausstellung „Hanse steinreich – eine Lego-Zeitreise“. Aus 500.000 Lego-Bausteinen wurden sechs Schlüsselereignisse der Hanse nachgebaut und mit Licht und Sound versehen. Im Zentrum der Schau, die bis zum 7. November läuft, steht eine knapp drei Meter lange Kogge. „Wir freuen uns, die Geschichte des Handelsbündnisses auf eine neue, spielerische Art zu erzählen, die alle Altersgruppen anspricht“, sagte Museumsdirektorin Felicia Sternfeld am Donnerstag.

Auf ein Meter mal 75 Zentimeter großen Lego-Platten hat der einzige zertifizierte Lego-Modellbauer Deutschlands, Rene Hoffmeister, etwa einen Markt in Brügge von 1358, den Hansetag in Lübeck im Jahr 1518 und die Stockfischproduktion im letzten Hansekontor in Bergen nachgebaut. Neben der Kogge sind noch zwei Großmodelle im Hansemuseum zu sehen: ein fast lebensgroßer Hansekaufmann, der die Besucher der Ausstellung empfängt, und ein mehrstöckiges Kaufmannshaus.

Als die Pest hereinbrach

Auch das düstere Kapitel der Pest, die im 14. Jahrhundert über Lübeck hereinbrach, wird thematisiert. In beeindruckender Größe haben Hoffmeister und sein Team das Heiligengeist-Hospital nachgebaut. Über eine Soundanlage hört man die darin untergebrachten Pest-Kranken stöhnen. Gleich nebenan liegen mehrere Lego-Männchen auf dem Friedhof. Sie symbolisieren ein Massengrab.

Schiffe gehören bei der Hanse aus Lego natürlich dazu Foto: Olaf Malzahn / epd

Ein halbes Jahr lang haben Hoffmeister und sein Team an den Modellen gebaut. Da der dänische Spielzeughersteller Lego nur wenige Mittelalter-Sets im Repertoire hat, mussten die Modellbauer improvisieren. „Wir wollten die Geschichte so genau wie möglich darstellen“, sagte Kurator André Dubisch, der die Idee zu der Ausstellung hatte.

Bienenwachs etwa war im Mittelalter ein wichtiges, russisches Handelsgut und durfte in der Schau nicht fehlen. Da Lego aber keine Bienenstöcke herstellt, sind in der Gründungsszene der Hanse am Ufer der russischen Newa Hüte von Lego-Männchen zu sehen. Sie sehen einem Bienenstock täuschend ähnlich.

Humorige Szenen

Mehr als 500 Lego-Figuren beleben die Modelle. Auf dem Hansetag in Lübeck schlemmen sie nach Herzenslust im inzwischen abgerissenen Hansesaal im historischen Rathaus. In der Brügger Markthalle bieten sie ihre zahlreichen Waren an. Und am Ufer der Newa streiten sich zwei Bären um den frisch gefangenen Fisch.

Neben humorigen Szenen war den Machern auch der Bezug zur Gegenwart wichtig. So ist in jeder Szenerie ein Lego-Mädchen mit lilafarbenen Haaren zu sehen, das auf aktuelle Probleme aufmerksam macht. Neben der Stockfischproduktion in Bergen sitzt sie vor einem Teller Gemüse, um auf die heutige Überfischung der Meere hinzuweisen. Die Liebe zum Detail macht die Ausstellung aus, die mit wenig Text auskommt und die Dauerausstellung des Museums nur grob umreißen soll.

Im Sommer 2022 geht die Hansegeschichte en miniature auf Tour. „Alle Lego-Steine wurden zu diesem Zweck verklebt“, so Sternfeld. Weitere Stationen sind etwa das Braunschweigische Landesmuseum, das Ostfriesische Landesmuseum und das Stedelijk Museum Kampen in den Niederlanden. So soll sich die Ausstellung refinanzieren, aber auch die 800-jährige Hansegeschichte bekannter werden. (epd)

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