Die meisten Männer nehmen nur „zwei Vätermonate“

Die Einführung des Elterngeldes vor 15 Jahren war ein Wendepunkt in der deutschen Familienpolitik. Doch nicht alle Erfolge wirken über die Elternzeit von Müttern und Vätern hinaus.

Nur wenige Männer nehmen „Vätermonate“. (Symbolbild)
Nur wenige Männer nehmen „Vätermonate“. (Symbolbild)imago images/Westend61

Die Einführung des Elterngeldes vor 15 Jahren hat einer Studie zufolge die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert. Dies geht aus einer Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung hervor. Mit der Einführung von Elterngeld 2007 sei der Bezug durch die Väter im Vergleich zum bis dahin gezahlten Erziehungsgeld sprunghaft auf 20 Prozent angestiegen, sagte Uta Brehm vom Bundesinstitut dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Nachfrage. Seither verdoppelte sich der Anteil von Vätern, die Elterngeld beziehen, und liegt heute bei 43 Prozent.

Zugleich nutzt mehr als jedes zweite Paar die Partnermonate überhaupt nicht. Von jenen, die sie beanspruchen, beziehen laut Bundesinstitut drei von vier Vätern zwei Monate Elterngeld, größtenteils zeitgleich mit der Partnerin. Bei Müttern von Kindern unter drei Jahren stieg indessen die Erwerbsbeteiligung von 43 auf 56 Prozent an. „Ein merklicher Erfolg“, sagte die Co-Autorin der Studie, Sophia Schmitz, vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung.

Alleinige Verantwortung bleibt selten

Doch neben diesen messbaren Erfolgen zeigt sich in der Studie, dass weiterhin nur etwa jeder zehnte Vater mehr als die zwei „Vätermonate“ in Anspruch nimmt. Weil die meisten Männer parallel mit ihren Partnerinnen in Elternzeit sind, ist eine alleinige Verantwortung der Väter für die Kinderbetreuung nach wie vor selten. „Über die ersten Lebensmonate des Kindes hinaus sind seit Einführung des Elterngeldes kaum weitere Fortschritte bei der Aufteilung der Familienarbeit zu erkennen“, fasste Mathias Huebener vom Bundesinstitut die Ergebnisse zusammen.

Seit Jahren stagniere die durchschnittliche Bezugsdauer der Väter deshalb bei etwa dreieinhalb Monaten – verglichen mit den knapp 14 Monaten der Mütter (Elterngeld Plus inklusive), hieß es weiter. Der Elterngeldbezug der Männer überschneide sich dabei oft noch mit dem der Mütter. Das gelte vor allem für die ersten Monate nach der Geburt. Im 13. und 14. Monat nach der Geburt sei der Anteil der Väter, die alleine zu Hause blieben, mit 20 Prozent am höchsten. Allerdings nutzen viele Mütter nach dem Auslaufen ihres Elterngeldanspruchs weiter unbezahlte Elternzeit, heißt es in der Studie.

Weniger Prestige für Mütter im Beruf

Zudem untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die Länge der Elternzeit bei den Vätern auf die Mithilfe bei Hausarbeit und Kinderbetreuung auswirkte. Für die Beteiligung der Väter macht es keinen Unterschied, ob sie keine oder nur eine sehr kurze Elternzeit genommen haben. In beiden Konstellationen wenden sie durchschnittlich nur etwa zweieinhalb Stunden für die Kinderbetreuung und knapp eine Stunde für die Hausarbeit auf, wie es in der Studie heißt.

Außerdem zeige die Studie, dass Mütter unabhängig von der Länge der Elternzeit drei Jahre nach dem Wiedereinstieg in den Beruf Rückgänge im Berufsprestige verzeichnen im Vergleich zur Zeit vor der Geburt. Bei Vätern sei es genau umgekehrt: Sie gewannen an Berufsprestige, sogar besonders jene mit längeren Elternzeiten. „Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, sich auch das Berufsprestige anzuschauen“, sagt Uta Brehm vom Bundesinstitut.

Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung über die Studie berichtet.