Die Kirchentags-Pendlerin

Birte Burgänger zieht jedes Jahr für die Planung der Christentreffen in eine andere Stadt und organisiert Quartiere. Eine anstrengende Arbeit, doch die besondere Stimmung zum Kirchentag ist ihr die Sache wert.

Hamburg. Gerade wohnt sie in Leipzig, wo im Mai der Katholikentag stattfindet. Anschließend wird sie nach Berlin ziehen, um den Kirchentag 2017 vorzubereiten. Wo Kirchentag ist, ist Birte Burgänger.
Angefangen hat alles vor drei Jahren in Hamburg, ihrer Heimatstadt. Birte Burgänger (heute 50) wollte eigentlich nur ein Bett für einen Besucher anbieten. Als sie sich im Internet informierte, sah sie, dass für die Organisation der Privatquartiere noch Mitarbeiter gesucht wurden. Burgänger – überzeugte Christin, Juristin, beruflich im Umbruch und fest entschlossen, nur noch sinnvolle Dinge zu tun – bewarb sich. Und bekam die Stelle. Nach dem Kirchentag erfuhr sie, dass beim Katholikentag in Regensburg eine ähnliche Stelle frei war.

Urlaubssperre schon vor dem Kirchentag

Mittlerweile gehört sie zu den alten Hasen. In Hamburg hat sie die Privatquartiere organisiert, in Regensburg die Massenquartiere, beim Kirchentag in Stuttgart war sie im Teilnehmerservice für alle Fragen der  Besucher zuständig. Burgänger telefoniert mit Einwohnern, die ein Bett anbieten möchten, sie kontrolliert, ob eine Schule genug Duschen hat, und achtet darauf, dass ein Allergiker nicht bei einer Katzenbesitzerin schlafen muss oder ein Gehbehinderter im fünften Stock.
Schon bevor ein Kirchentag beginnt, ist die Arbeit anstrengend. Ein halbes Jahr vorher herrscht Urlaubssperre. Wenn an einem Wochenende alle Tagungs­mappen verschickt werden, ist sie „mit Adrenalin vollgepumpt“. Trotzdem macht ihr gerade diese Aktion besonderen Spaß. Während der Kirchentage ist sie im Dauereinsatz. Wenn sie es schafft, schlendert sie einmal über den Markt der Möglichkeiten. Und den Abschlussgottesdienst besucht sie jedes Mal.
Die Katholikentage sind kleiner als die Kirchentage. „Ich arbeite auf beiden sehr gern“, sagt Burgänger. Bei ihrem ersten Kirchentag hat sie anfangs noch mit Katastrophen gerechnet. Immerhin mussten 12 000 Betten eingeworben werden. Inzwischen ist sie entspannter, weil sie weiß, was auf sie zukommt.

Immer in anderen Städten zuhause

Etwa zehn Monate wohnt sie in einer Stadt. In Stuttgart war sie in einem ehemaligen Altenheim untergebracht. In Leipzig wohnt sie nun in einer kleinen Einzimmerwohnung. In jeder Stadt hat sie Freunde gefunden, den Kontakt hält sie bis heute. Schwierig sei es, auch in Hamburg nicht den Anschluss zu verlieren. Wenn sie über das Wochenende in der Stadt ist, reicht die Zeit nicht, um alle Freunde zu treffen. „Man ist überall nur halb“, sagt Birte Burgänger. In der Kirchentagsstadt fehlt ihr der Anschluss an eine Gemeinde – und dass sie sich vor Ort nur wenig engagieren kann. Dafür seien die Kollegen „wie eine Ersatzfamilie“. Und: „Es macht unheimlich viel Spaß.“
Aufgewachsen ist Birte Burgänger in Hamburg. Weg wollte sie nie. Weder zum Schüleraustausch noch zum Studium. Als sie einen Jura-Studienplatz in Berlin bekam, setzte sie Himmel und Hölle in Bewegung, um doch in Hamburg bleiben zu können. Aus der Stadt zogen sie erst die Kirchen- und Katholikentage.

Die besondere Stimmung zum Kirchentag

„Ich bekomme schon etwas von Deutschland zu sehen“, sagt Birte Burgänger. Besonders viel war es in Bayern „Da weiß man ja gar nicht, wohin man zuerst fahren soll.“ Starnberger See, Chiemsee, und Alpen sind nur einige der Orte, die sie besucht hat. Burgänger fährt gern Auto – und das muss sie auch, wenn sie aus Regensburg oder Stuttgart in den Norden zu ihrem Mann pendelt. „Hamburg fehlt mir immer“, sagt sie, durch die Zeit außerhalb werde sie nur „immer hamburgischer“. Erst neulich hat sie eine Dose mit dem Schriftzug der Stadt gekauft. Dafür hängen in der Wohnung in Wilhelmsburg, die sie mit ihrem Mann und drei Katzen teilt, alle Schals, Ausweise und Schlüsselbänder der Kirchen- und Katholikentage.
„Eine bestimmte Kirchentagsstimmung, die gibt es unbedingt“, sagt Burgänger, das sei tatsächlich in jeder Stadt zu spüren. Wenn die Bahnen so voll sind, dass die Türen kaum noch schließen, und trotzdem keiner meckert. Oder wenn die Besucher auf der Straße spontan ein Lied anstimmen. Als sie einmal morgens eine Unterkunft besuchte und sah, wie friedlich die vielen, fremden Menschen miteinander frühstückten – da seien ihr fast die Tränen gekommen, erinnert sie sich.