Die Kirchen-Show fürs Radio

Sie lieben Radio – und produzieren ehrenamtlich ihre eigene Show: „KR55“ geht jeden Monat in Oldenburg auf Sendung, Kirchen-Bezug garantiert.

Vier Personen stehen hintereinander auf einer Treppe
Vier Personen stehen hintereinander auf einer Treppe

Oldenburg. „KR55“ heißt das Kirchenradio für Oldenburg, das seit über zwölf Jahren auf Sendung ist. Organisiert wird es von einem Team aus vier ehrenamtlich tätigen Radiofans, zu denen Thomas Cziepluch als Redakteur und Sendungsverantwortlicher gehört. Einmal im Monat präsentieren die Radiomacher ein einstündiges Kirchenmagazin mit vier Interviewblöcken, Musik, Veranstaltungstipps und einem „geistlichen­ Snack“.

Die Sendung läuft an jedem zweiten Freitag im Monat um 18 Uhr über Oeins, zu empfangen über UKW 106,5  oder im Kabel auf 92.75 Mhz. Einen Livestream gibt es hier. Wer nicht live dabei sein kann, kann die Sendung als Podcast hören, wann immer er Zeit hat. Aus rechtlichen Gründen fehlt allerdings die Musik.

Woher der Name kommt

„Angefangen haben wir mit 55 Minuten Sendung“, erläutert Cziepluch, der 2010 dazugestoßen ist. „Daher stammt der Name.“ Fünf Minuten wurden beim Oldenburger Bürgersender „oeins“ für die Nachrichten abgezogen, doch mittlerweile hat das Team die volle Stunde. In dieser Stunde kommen interessante Gesprächspartner zu Wort, die über Gott und die Welt und ein bisschen immer auch über Kirche reden.

Foto: Pixelio
Foto: Pixelio

„Wir suchen uns unsere Gäste aus und orientieren uns an aktuellen Fragestellungen, bringen aber meist auch einen kirchlichen Bezug mit in die Sendung“, erläutert Cziepluch. So ging es schon um die Oldenburger Tafel, die angesichts der vielen Ukraine-Flüchtlinge an ihre Grenzen stößt und Mühe bei der Versorgung bekommt. Aber auch außergewöhnliche Ansätze in der theologischen Arbeit sind den Machern eine Sendung wert.

„Kürzlich hatten wir ein Pastorenteam zum Interview da, das etwas freakig arbeitet und sehr lockere Ideen für seine theologische Arbeit hat, beispielsweise mit dem Skateboard“, gibt Cziepluch ein Beispiel. Der Elektropastor aus Delmenhorst-Oldenburger Land saß ebenso im Studio wie kirchlich engagierte Jugendliche, die gerade von der Synode zurück waren und davon berichten konnten.

Militärseelsorger im Interview

„Aus Anlass des Ukraine-Krieges haben wir auch ein Interview mit einem Militärseelsorger und einem Bundeswehrsoldaten geführt“, so der Radiomacher. „Die aktuelle Lage hat neue Perspektiven zum kirchlichen Pazifismus eröffnet.“

Die Gäste sitzen live vor dem Mikrofon, die Sendung wird aber nicht live übertragen, sodass immer noch Raum für Korrekturen bleibt. „Wir erstellen unsere Sendungen ,live on tape‘. Das bedeutet, dass wir uns einige Tage vor dem Sendetermin im Studio mit unseren Gästen bei ,oeins‘ treffen und dort die Sendung einspielen. Wir nehmen sie unter Live-Bedingungen auf, haben aber noch die Chance, kleine Pannen und Versprecher zu korrigieren.“

Aufgeregte Gäste

Die meisten Gäste seien anfangs aufgeregt, berichtet Cziepluch. „Das gibt sich aber schnell, und wir freuen uns über die stets gute Atmosphäre im Studio.“ Ihr Ziel sei es, mit wertschätzendem­ Impetus zu fragen. Zusätzlich zu den Wortbeiträgen gibt es Musik, die die Gäste selbst mitbringen.

Viele Klicks

„Es ist immer sehr interessant zu sehen, wer sich für welche Musik entscheidet“, so der Moderator., „Das verrät immer auch etwas über die Persönlichkeit unserer Interview-Partner.“ Nach den Live-Aufnahmen im Studio, für das derzeit das Gemeindehaus genutzt wird, schneidet ein Techniker die Sendung und gibt das Ergebnis an den Sender. Seit 2015 gibt es Internetseite dazu.

Wie viele Zuhörer die Sendung hat, lässt sich wegen fehlender Auswertungen nicht genau sagen, aber die Zahl der Klicks ist mit rund 100.000 hoch. „Wir wissen nicht, wer uns zuhört“, sagt Cziepluch, „aber das Interesse ist da.“ Zur Zeit des Lockdowns seien viele Hörformate entstanden: „Radio ist ein Format, um Menschen zu erreichen.“ Damals seien auch Radiogottesdienste auf Sendung gegangen, doch mittlerweile werde der Gottesdienst wieder analog gefeiert. „Aber die Klicks zeigen, dass das Kirchenradio gehört wird.“