Vor knapp drei Jahren, am 15. April 2023, wurden die drei letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. In 60 Jahren Atomkraft-Nutzung sind 27.000 Kubikmeter hochradioaktive Abfälle angefallen. Dafür wird ein Endlager gesucht. Im kommenden Jahr 2026 sollen weitere Entscheidungen zur Vorauswahl getroffen werden.
Das Endlager soll mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche gebaut werden und den Atommüll für eine Million Jahre sicher einschließen. Das soll durch ein System aus verschiedenen Barrieren gewährleistet werden, das möglichst robust gegen innere und äußere Einflüsse ist. Als sogenannte Wirtsgesteine, die das künftige Endlager umschließen, kommen Salzstöcke, Ton und Granit infrage.
Mit der eigentlichen Suche ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit Sitz im niedersächsischen Peine beauftragt. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) beaufsichtigt den Suchprozess und organisiert die Beteiligung der Öffentlichkeit. Ein Nationales Begleitgremium aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Bürgervertretern soll die Suche vermittelnd begleiten – unabhängig, transparent und bürgernah.
Die BGE hat in mehreren Arbeitsschritten einen Großteil Deutschlands bereits als vermutlich ungeeignet verworfen. Inzwischen gelten noch rund 25 Prozent des Bundesgebietes als potenziell tauglich – diese Flächen liegen vor allem in Norddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Westfalen und Sachsen-Anhalt. In den kommenden Monaten werden weitere Zwischenstände veröffentlicht. Ende 2027 will die BGE konkrete Standortregionen zur weiteren Erkundung vorschlagen. „So können alle Menschen sehen, dass es mit der Endlagersuche vorangeht und wie es in ihrer Region derzeit aussieht“, sagt BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder.
Laut Gesetz bis 2031. Es ist aber klar, dass diese Vorgabe nicht eingehalten werden kann. Inzwischen bewegen sich die Schätzungen zwischen 2045 und 2065. Danach wird es noch weitere Jahrzehnte dauern, bis das Endlager gebaut ist und befüllt werden kann.
Ja. „Eine deutliche Beschleunigung der Endlagersuche ist möglich und nötig“, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Sein Ministerium hat dazu verschiedene Vorschläge gemacht. Zum Beispiel könnten die bislang getrennt geplante oberirdische und unterirdische Erkundung eines Standorts in einem Arbeitsschritt zusammengefasst werden. Zudem wird diskutiert, ob für die unterirdische Untersuchung der aufwendige Bau eines Erkundungsbergwerks nötig ist.
In insgesamt 16 Zwischenlagern. Es gibt drei zentrale Lager in Gorleben (Niedersachsen), Ahaus (Nordrhein-Westfalen) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern). Die übrigen befinden sich an den Standorten der abgeschalteten Atomkraftwerke. Die Zwischenlager wurden für einen Zeitraum von 40 Jahren genehmigt. Weil so bald kein Endlager zur Verfügung steht, müssen neue Genehmigungen für die Zwischenlager beantragt werden.
Außer dem hochradioaktiven Müll fallen in Deutschland mehrere Hunderttausend Tonnen schwach und mittelradioaktive Abfälle an. Sie entstanden oder entstehen beim Abriss der Atomkraftwerke, es handelt sich aber auch um kontaminiertes Werkzeug und kontaminierte Arbeitskleidung, zum kleineren Teil auch um Rückstände aus Medizin und Forschung.
Diese Abfälle werden zurzeit dezentral in Zwischenlagern und Landessammelstellen aufbewahrt. Sie sollen in das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden, das von der BGE zum nationalen Endlager für schwach und mittel radioaktiven Atommüll umgebaut wird. Die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2013 geplant.
Mittlerweile geht BGE-Chefin Graffunder von Anfang der 2030er Jahre aus. Möglicherweise muss das Vorhaben auch ganz aufgegeben werden, denn beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg sind Klagen von Umweltverbänden gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2002 anhängig.
Nein. Schacht Konrad ist für bis zu 303.000 Kubikmeter Atommüll genehmigt. Das Volumen der Abfälle wird sich aber auf rund das Doppelte belaufen, wie die Bundesregierung einräumt. Unter anderem wäre für die 126.000 Atommüllfässer, die aus dem maroden Bergwerk Asse II geborgen werden sollen, sowie für die Rückstände aus der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau kein Platz im Schacht Konrad.
Das ist unklar. Entweder müssen sie mit in das noch zu findende Endlager für den hochradioaktiven Atommüll. Oder es muss noch ein weiteres Endlager gebaut werden.
Morsleben in Sachsen-Anhalt war das Endlager der DDR, mit der Wiedervereinigung ging es in den Besitz des Bundes über. In dem Salzstock lagern rund 37.000 Kubikmeter schwach- und mitte radioaktiver Atommüll. Wie der Schacht Asse II gilt auch Morsleben als einsturzgefährdet. Die BGE hat beim Land Sachsen-Anhalt die Stilllegung des Endlagers beantragt. Eine Entscheidung steht noch aus.
Gorleben wurde über Jahrzehnte als einziger Endlager-Standort für hochradioaktive Abfälle erkundet. 2020 schied der unterirdische Salzstock wegen geologischer Mängel aus dem Suchverfahren aus. Zurzeit werden die Schächte und Stollen mit dem früher aus der Erde geholten Salz zugeschüttet.