Die „alte Kirche“ hat sich herausgeputzt

Sie hatte keinen guten Ruf: Die Georgenkirche in Waren galt als „De Oll Kerk“. Jetzt ist sie saniert worden – und nicht nur Touristen sind begeistert.

ludewig

Waren. Seit jeher kennt man die St. Georgenkirche in Waren auch als „De Oll Kerk“, also „die alte Kirche“. Dass sie von innen inzwischen nicht mehr „oll“ aussieht, hat sie grundlegenden Sanierungsarbeiten zu verdanken, die nun nach vier Jahren beendet wurden. Das Ergebnis überzeugt Gemeinde und Gäste gleichermaßen.
Pastorin Anja Lünert steht an der Brüstung der ersten Empore und lässt den Blick durch „ihre“ Kirche schweifen. „Das ist einer meiner absoluten Lieblingsplätze in der Georgenkirche – schön ruhig und mit der besten Aussicht auf den ganzen Innenraum“, erklärt sie. „Jetzt ist es natürlich noch viel toller als vorher“, fügt sie lächelnd hinzu.

Vier Jahre Bauzeit

Durch die Restaurierung der Malereien an Decken und Wänden habe das Kirchenschiff deutlich an Wirkung gewonnen, findet die 42-Jährige. „Ich weiß noch, als ich mich damals auf die Pfarrstelle beworben und mir die Kirche angesehen hatte, da dachte ich: Ja, okay, ganz hübsch, aber nicht wirklich wunderschön – aber jetzt! Es ist überhaupt nicht mehr so düster und man bekommt durch diese leuchtende Farbe den Eindruck, dass der Raum viel größer ist.“
Die Farbfassung, die die Kirche nun nach vier Jahren Bauzeit ziert, ist nicht neogotisch wie der Rest des Gebäudes, das im 13. Jahrhundert erbaut, bei einem Stadtbrand 1699 stark zerstört und um 1850 wieder neu hergerichtet wurde. Im Jahr 1960 überpinselte man die in dunklen Tönen gehaltenen Wände mit einem hellen, elfenbeinfarbenen Anstrich. Im Laufe der Zeit hatte das Gewölbe allerdings aufgrund von Dachschäden durch Feuchtigkeit gelitten, Putz bröckelte ab und Schimmel breitete sich aus. Die Sanierung umfasste den kompletten Innenraum der Kirche – vom Chor über das Hauptschiff bis zu den beiden Seitenschiffen. Die Kosten beliefen sich insgesamt auf 230 000 Euro und wurden durch Fördermittel vom Land Mecklenburg-Vorpommern, Spenden und Eigenmitteln der Gemeinde getragen.

Gottesdienste verlegt

Wegen der Bauarbeiten musste die Kirchengemeinde St. Georgen ihre Gottesdienste an andere Orte verlegen, zum Beispiel in die benachbarte Marienkirche, ins Warener Begegnungszentrum „Schmetterlingshaus“ oder in Dorfkirchen rund um die Müritzstadt. „Das war eigentlich auch mal ganz schön, besonders als wir uns in kleinen schmucken Dorfkirchen getroffen haben, die einige Gemeindemitglieder noch gar nicht kannten“, erzählt Pastorin Lünert.
Überhaupt habe sie die Bauzeit nicht als belastend empfunden. „Zum einen wurden wir wunderbar durch die Bauverwaltung des Kirchenkreises begleitet und zum anderen finde ich es einfach schön, dass man bei diesen Bausachen immer sehen kann, wie etwas vorwärts geht.“ Vom Ergebnis der Arbeiten sind auch die Touristen begeistert, die die offene Kirche zahlreich besuchen. Eine Reisegruppe aus Berlin erkundete mit großen Augen den neuen Innenraum. „Wir sind vor einigen Jahren schon mal hier gewesen und sind total überrascht, wie hell und freundlich jetzt alles wirkt“, erklären sie.