Die Diakonie in Schleswig-Holstein ruft bei den derzeit frostigen Temperaturen alle Menschen dazu auf, Obdachlose im Blick zu haben. „Die Gefahr ist gerade groß, dass diese Menschen krank werden oder sogar erfrieren“, sagte Diakonie-Sprecher Friedrich Keller dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Nachfrage. Wer reglose Menschen in der Kälte sitzen sehe, solle über den Polizeiruf 110 professionelle Hilfe anfordern. Iris Petit von der Wohnungsnotfallhilfe der Kieler Stadtmission rät außerdem dazu, an Obdachlosen nicht einfach vorbeizugehen, sondern sie aktiv zu fragen, ob sie etwas brauchen, ein warmes Getränk zum Beispiel.
Die meisten Wohnungslosen würden in Kiel die Tagestreffs und Notunterkünfte der Winternothilfe in Anspruch nehmen, sagte Petit. Zusätzlich stellt die Stadt an der Adolf-Westphal-Straße einen Witterungsschutzcontainer zur Verfügung, in dem Obdachlose mit Schlafsack und Isomatte auch spontan und ohne Registrierung übernachten können. „Da wird niemand abgewiesen. Schließlich sind die Kommunen dazu verpflichtet, jeden Wohnungslosen unterzubringen. Es muss niemand auf der Straße schlafen, der das nicht möchte“, erklärte sie. Laut Statistischem Bundesamt waren im vergangenen Winter in Schleswig-Holstein rund 29.000 Menschen in einer Notunterkunft untergebracht.
Trotz der Witterung würden sich einige gegen einen warmen Schlafplatz entscheiden und draußen übernachten. Das habe unterschiedlichste Gründe, sagte Petit. „Psychische Erkrankungen und Substanzmissbrauch spielen eine Rolle, manche wollen auch nicht mit fremden Personen zusammen in einem Raum schlafen.“ Diese Menschen versorgt die Stadtmission mit warmer Kleidung, Isomatten und Schlafsäcken, sodass sie nicht vollkommen ohne Schutz auskommen müssen. Abends fahren abwechselnd ein Kältebus der Malteser und ein Foodtruck der Stadtmission durch Kiel, um warme Mahlzeiten an Wohnungslose zu verteilen.