Die Diakonie Württemberg kritisiert den Vorstoß von vier Oberbürgermeistern, Sozialstandards aus Geldnot zu senken. Als eigentlichen Kostentreiber benannte sie in einer am Donnerstag in Stuttgart verbreiteten Mitteilung eine ausufernde Bürokratie. Der evangelische Wohlfahrtsverband bemängelt, dass Landkreise und Kommunen für landes- oder bundesweit einheitliche Regelungen jeweils eigene Verfahren entwickelten. Dabei komme es teilweise zu Doppelprüfungen und einer aufwendigen analogen Abrechnung. Träger müssten monatlich große Mengen an Papier ausdrucken, die in den Kommunen wieder eingescannt würden.
Am Mittwoch hatten vier Oberbürgermeister aus dem Großraum Stuttgart massive Erleichterungen für die Kommunen in Baden-Württemberg angemahnt. „Überzogene Standards“ bei der Kinderbetreuung, in Pflegeheimen oder bei der Inklusion von behinderten Menschen müssten abgeschafft werden, forderten Richard Arnold (Schwäbisch Gmünd, CDU), Matthias Klopfer (Esslingen, SPD), Matthias Knecht (Ludwigsburg, parteilos) und Boris Palmer (Tübingen, parteilos).
Dagegen argumentiert die Diakonie, durch die Vereinheitlichung und Digitalisierung von Verwaltungsprozessen ließen sich viele Millionen Euro einsparen. „Aus unserer Sicht könnte vieles schlanker und schneller erfolgen“, sagte Kornelius Knapp, Vorstand für Sozialpolitik. Als Beispiel wurde eine App genannt, die bislang für die Umsetzung in jedem Landkreis einzeln umprogrammiert werden müsse.
Oberkirchenrätin Annette Noller, Vorstandsvorsitzende der Diakonie Württemberg, hielt den Oberbürgermeistern entgegen, soziale Angebote seien kein Kostenfaktor, sondern stabilisierten den gesellschaftlichen Frieden und sparten Folgekosten. „Nicht die Unterstützung von Menschen, sondern die Bürokratie können wir uns nicht mehr leisten“, sagte Noller. (0037/08.01.2026)