Ein Brauereisterben prognostiziert der Chef des Bier- und Getränkeproduzenten Oettinger. Der Absatz im Inland gehe erdrutschartig zurück. Die Verbraucher halten sich seiner Ansicht nach vor allem aus einem Grund zurück.
Im ersten Halbjahr haben die deutschen Brauereien rund 2,6 Millionen Hektoliter weniger Bier im Inland abgesetzt. Das sagte der Chef des Bier- und Getränkeproduzenten Oettinger, Stefan Blaschak, der “Augsburger Allgemeinen” (Dienstag). Ein wichtiger Grund für den Rückgang: “Es kommt eine Generation nach, die sich viel stärker mit Gesundheit auseinandersetzt.”
In der Branche rechne man angesichts des veränderten Konsumverhaltens inzwischen damit, dass der Bierausstoß der deutschen Brauereien in den kommenden fünf Jahren von 80 auf 65 Millionen Hektoliter sinken könnte, so Blaschak weiter. Bislang sei der Bierabsatz relativ konstant um zwei bis drei Prozent pro Jahr gesunken. “Dieses Jahr aber erleben wir einen Erdrutsch.”
In den kommenden Jahren würden Brauereien “wie Fliegen von der Wand fallen”, prognostizierte der Chef des bayerischen Unternehmens. “Die Welt der Brauereien bröckelt, bei den Kleinen sehen wir fast täglich Insolvenzen, es wird auch die Großen treffen.”
Die Branche müsse sich verändern, sagte Blaschak. “Deshalb sind wir längst vom Bierbrauer zum Getränkehersteller geworden”, betonte Blaschak. Oettinger setze deshalb auf Innovationen im Softgetränkebereich. “Früher haben wir wie die anderen Bier gebraut, nur günstiger. Heute sind wir die Ersten, die Getränke mit Proteinen und Ballaststoffen auf den Markt bringen.”
Anfang des Monats hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass der Bierabsatz von Januar bis Juni erstmals seit 1993 unter die Marke von vier Milliarden Liter gesunken sei. Einen gegenläufigen Trend verzeichneten die Statistiker bei Mixgetränken aus Bier und Limonade, Cola, Fruchtsäften oder anderen alkoholfreien Zusätzen. Hier wurden demnach im ersten Halbjahr 2025 exakt 8 Prozent mehr abgesetzt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allerdings machten solche Biermischgetränke mit 220,8 Millionen Litern nur 5,6 Prozent des gesamten Bierabsatzes aus, hieß es.