Detaillierte Pläne

Liebe ist kein Plan für Technokraten, schreibt Pfarrer Christopher Kumitz-Brennecke. Er ist Referatsleiter der Landeskirche Braunschweig.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin.“ aus Johannes 5, 39-47

Es ist immer schön, einen Plan zu haben. Wenn es gilt ein Regal zusammenzuschrauben, wenn ein Fest vorzubereiten ist, wenn ein Haus gebaut werden soll, dann ist ein genauer Plan unerlässlich. In dem Evangeliumstext zum 1. Sonntag nach Trinitatis stehen auch Menschen mit einem Plan im Blickpunkt. Allerdings wollen sie kein besonderes Projekt umsetzen, sie wollen liebevoll leben und zugleich bei den Menschen Ehre gewinnen. Ihr vermeintlicher Plan sind die Gebote Mose, denen sie unumschränkt folgen wollen. Das ist auch ein guter Vorsatz, denn wie menschliches Leben gelingen kann, dafür sind Gottes Gebote eben auch ein brauchbarer Plan.

Aber der Plan hat sich in den Köpfen und Herzen der Gesprächspartner Jesu verselbstständigt. Denn die einzelnen Anweisungen und Details des Plans werden wichtiger als das Ziel – die Liebe in Wort und Tat. Und so verdammen sie Jesus für eine Heilung am Sabbat, der doch arbeitsfrei sein soll. Die Buchstaben des Plans gewinnen höheren Wert als das Ziel.

Jesus wendet sich gegen diese Technokraten der Liebe. Nicht der Plan soll unumstößlich sein, sondern das Ziel, nämlich dass die Liebe in den Werken und Gedanken der Menschen Wirklichkeit wird. Seine Worte, seine Taten und sein ganzes Leben bezeugen die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. Gerade sie lässt sich nicht einfach in Pläne oder Vorschriften fassen. Die Heilung des Gelähmten ist unendlich wichtiger als die Bewahrung des Ruhegebots.

Um Liebe leben zu können, bedarf es keiner detaillierten Pläne und keiner genauen Vorgaben. Es hilft vielmehr, ein Vorbild zu haben, dem man nachfolgen kann, ein Vorbild, wie es Jesus ist. Es hilft, sich inspirieren zu lassen, indem man auf Gottes Geist vertraut, der in unser Herz spricht. Es hilft, auf Gottes Liebe in uns zu vertrauen, die uns ihren Weg zu unserem Nächsten zeigt.

Gottes Liebe braucht keine Pläne oder Technologien, sie zeigt sich im jeweiligen Moment mit seinen Anforderungen. Liebe ist kein Plan für Technokraten, sondern eine Aufgabe für Menschen, die sich von Gottes Geist leiten lassen.

Unser Autor
Pfarrer Dr. Christopher Kumitz-Brennecke ist Referatsleiter der Landeskirche Braunschweig.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.