Der Weg nach vorn

Die Zeit vor Weihnachten war ursprünglich eine Zeit der Buße und Umkehr. Was das heute bedeuten kann.

TSEW/www.shutterstock.com/elenabsl/Catrin1309

Der Advent steht für Licht und Wärme in Kälte und Dunkelheit. Für Geborgenheit und für die Erwartung des Heils. Es ist gut, immer wieder daran zu erinnern.

Was dabei aber nicht vergessen werden sollte: Advent ist auch eine Zeit der Buße – zumindest waren die Wochen vor Weihnachten ursprünglich mal so gedacht.

Nun ist „Buße“ ein sperriges Wort. Vielleicht hilft für die Annäherung erst einmal ein anderes Wort weiter: Besinnung. Das Nachdenken und Prüfen, ob ein eingeschlagener Weg noch der richtige ist. Sich Rechenschaft geben, ob es so weiter gehen kann wie bisher, oder ob nicht doch Korrekturen notwendig wären – und am Ende eventuell sogar eine Umkehr („Buße“) stehen müsste.

Wie geht es weiter?

Wo geht es lang? Wie geht es weiter? Was sollte ich ändern? Das sind Fragen, die gut in den Advent passen.

Was also müssten wir ändern? Wo besteht Handlungsbedarf?

Für das Große und Ganze fallen dazu sofort drei Schlagworte ein: Klima. Krieg. Corona und Co. Aber so klar dabei ist, wie notwendig hier Änderungen wären, so groß kann auch die Ratlosigkeit und Verzagtheit sein: „Was soll die oder der Einzelne denn da ausrichten?“, mag man fragen. Antwort: Natürlich kann etwas tun; oder zumindest sollte man versuchen, einen – vielleicht kleinen – Beitrag zu leisten. Es gibt Initiativen, Organisationen, Arbeitskreise und Gruppen, bei denen man mitarbeiten kann. Ob es nun ein Naturschutzbund ist, oder gerne auch eine der vielen Initiativen im kirchlichen Bereich, etwa in der Friedensarbeit oder bei der Hilfe für Geflüchtete. Hier kann man sehr wohl nachdenken, welche Korrekturen notwendig wären – und sich dann entsprechend auch engagieren.

Aber auch und gerade im eigenen, persönlichen Umfeld, also im Vergleich zur großen Weltlage vermeintlich „Kleinen“, gibt es Möglichkeiten für Besinnung und Kurskorrektur.

Für mehr Freundlichkeit im eigenen Umfeld werben

Vermutlich wird man nicht sofort den Krieg stoppen können. Aber ein Anfang – an einer ganz anderen Stelle als auf dem Schlachtfeld oder im Schützengraben – kann es sein, für mehr Freundlichkeit im eigenen Umfeld zu werben. Wie das geht? Einfach mal ausprobieren: selbst freundlich sein. Zulächeln, auch wenn die Anderen erst mal gar nicht reagieren oder nur verständnislos. In der Nachbarschaft. Beim Einkauf. Auf der Arbeit.

Das kann mitunter eine Menge Geduld erfordern. Aber irgendwann, beim vierten oder fünften oder auch erst zehnten Mal, kommt dann doch etwas zurück. Vielleicht zunächst ein Kopfnicken. Dann ein gebrummeltes „Morgen“. Irgendwann sogar ein erstes Lächeln, wenn auch noch etwas verkrampft – das wird dann schon noch. Oft genug selbst erlebt. Manchmal ergibt sich dann sogar ein kurzer Plausch. Später ein Gespräch. Und oft genug erkennt man dann, was der oder die Andere die ganze Zeit für eine Last mit sich herumgeschleppt hat. Wenn wir fragen, was ein Licht in der Dunkelheit sein kann, etwas Wärme in der Kälte, dann stehen ein Lächeln und die hartnäckige Freundlichkeit gegenüber dem Mitmenschen ganz weit vorn an erster Stelle.

Bringt das was?

Stichwort: Klima. Klar, man kann die Heizung etwas runterdrehen (19 Grad gilt als die neue Ideal-Linie). Strom sparen, indem man nicht überall und gleichzeitig in allen Räumen das Licht anlässt. Bringt das was? Ja. Zumindest für die eigene Heizkosten- und Stromrechnung. Und wenn viele das tun, dann auch für das Klima.

Eine ganz eigene, heikle Frage ist dabei, wieviel Festbeleuchtung man sich denn noch erlauben kann. Einerseits ist völlig klar, dass das helle Leuchten und Glänzen richtig Freude ins Gemüt bringt, das im Winter schon dunkel genug zu werden droht. Auf der anderen Seite kann man sich beim Anblick der gewaltigen Leuchtorgien, die mittlerweile gefühlt an jedem dritten Haus stattfinden, schon fragen: Muss das jetzt wirklich sein?

Advent als Zeit der Besinnung

Auch hier: Advent, Zeit der Besinnung, des Selbst-Check, des Überprüfen. Ist der eingeschlagene Weg noch richtig?

Besinnung – versuchen wir es doch mal. Zum Beispiel bei einem Spaziergang. Mütze und Mantel an, Handschuhe. Und dann raus, auf in die Natur. In den Park. Über den Friedhof. Über Feld und in den Wald. Die frische Luft hilft, den Kopf klar zu kriegen. Entweder geht man allein, dann ist das Denken besonders intensiv. Oder man geht mit einem lieben Menschen. Dann kann man die Gedanken teilen und sich austauschen: Wie siehst du das?

Das geht übrigens auch beim gemeinsamen Teetrinken. In Zeiten von Corona auch mal über Telefon möglich.

Und es gibt noch einen ganz hervorragenden Ort für die Besinnung: die Andacht. In der Kirche. Daheim. Oder auch beim Waldspaziergang. Mit den Menschen reden, aber Gott nicht außen vor lassen – das ist ein guter Weg, die kommende Zeit zu überdenken.