Die Spannung wächst vor der letzten Runde des Synodalen Wegs. Auch in Rom wird genau beobachtet, was und wie in Deutschland über Reformen in der Kirche gesprochen wird. Papst Leo XIV. scheint interessiert und informiert.
Wenn ab Donnerstag der deutsche Synodale Weg in Stuttgart zum letzten Mal in ganz großer Runde zusammenkommt, ist die Spannung groß. Nicht nur deutsche Kirchenkreise interessieren sich dafür, was und wie in Stuttgart beraten wird. Auch im Vatikan wird die dreitägige Versammlung mit großer Aufmerksamkeit beobachtet.
Das gilt zunächst für den Apostolischen Nuntius Nikola Eterovic. Der Botschafter des Papstes wird erneut dabei sein, um Debatten und Abstimmungen zu verfolgen und dann nach Rom zu berichten. Konservative Portale und Kommentatoren machen schon seit Tagen Stimmung gegen das Projekt und werfen dabei auch das SCH-Wort wieder in den Raum: “Schisma in Berlin – Leos Schachpartie”, orakelte etwa die konservative italienische Zeitung “il giornale” vergangene Woche.
Das Blatt grub denn auch noch eine angebliche Warnung des verstorbenen Ex-Papstes Benedikt XVI. an seinen Nachfolger als Erzbischof in München, Kardinal Reinhard Marx, aus: Schon der deutsche Papst habe kurz vor seinem Ableben gewarnt, dass der Synodale Weg kein gutes Ende nehmen werde.
Jeder konservative Kritiker des Synodalen Wegs, den der jetzige Papst in Audienz empfängt, wird in einschlägigen Kreisen als Bestätigung dieser Warnungen gedeutet: “Wenn er mit diesen Leuten redet, ist doch klar, dass Leo XIV. die Reforminitiative aus Deutschland argwöhnisch betrachtet” – so die Argumentation. Dass er neben Vertretern der konservativen Minderheit auch Vertreter des reformbereiten Mehrheitsflügels empfängt, wird dort gerne verschwiegen.
Aus dem Vatikan selbst verlautet derzeit wenig zu dem Thema. Eine der klarsten Ansagen kam allerdings vom Papst persönlich. Bei der “fliegenden” Pressekonferenz nach seiner ersten Auslandsreise am 2. Dezember erklärte er: “Es gibt große Ähnlichkeiten, aber auch einige deutliche Unterschiede zwischen der Art und Weise, wie der Synodale Weg in Deutschland vorangetrieben wurde, und wie er in der Weltkirche am besten fortgesetzt werden könnte.”
Zugleich schränkte er ein: “Die Tatsache, dass die Synodalität an einem Ort auf eine bestimmte Weise gelebt wird und an einem anderen Ort anders, bedeutet nicht, dass es zu einem Bruch oder einer Spaltung kommen muss.” Dennoch fürchte er, “dass viele Katholiken in Deutschland glauben, dass bestimmte Aspekte des bisher in Deutschland durchgeführten Synodalen Weges nicht ihre Hoffnungen für die Kirche oder ihre Art, die Kirche zu leben, widerspiegeln”.
In diesen Worten findet sich ganz offensichtlich ein Echo jener Sorgen, die ihm konservativere Gesprächspartner in den vergangenen Monaten mitgeteilt haben. In Deutschland sei “weiterer Dialog und Zuhören” notwendig, so der Papst, “damit die Stimme der Mächtigen nicht die Stimme derer übertönt, die vielleicht sogar sehr zahlreich sind, aber keinen Ort haben, an dem sie sprechen und gehört werden können.” Das war zwar durchaus kritisch in Richtung Deutschland, aber doch weniger schroff als der Satz von Papst Franziskus vom Juni 2022, wonach es in Deutschland keine zweite protestantische Kirche brauche.
Und dann sagte er einen Satz, der aufhorchen ließ: “Ich glaube, dass es auf beiden Seiten in Deutschland einige Anpassungen geben wird.” Zu den vom Papst “auf beiden Seiten” erhofften Anpassungen gehört vermutlich bereits das neue Gesprächsformat des gegenseitigen Zuhörens und Nachdenkens über das Gesagte – “Conversatio in Spiritu” genannt, das in Stuttgart an die Stelle der manchmal hitzigen Wortgefechte und Kampfabstimmungen treten soll, die es bei früheren Synodalversammlungen gab.
Auch soll in Stuttgart im Rahmen einer Evaluation des bisherigen Prozesses versucht werden, Wunden und Verletzungen offen anzusprechen – und wenn möglich zu heilen -, die es in früheren Runden des Synodalen Wegs bei Mehrheiten und Minderheiten gab. Noch völlig offen ist, ob die neue, stärker auf Konsens zielende Gesprächskultur auch dazu führen wird, dass die konservative Minderheit unter den Bischöfen sich umstimmen lässt. Allerdings werden der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nicht in Stuttgart dabei sein. Letzterer begründete dies mit einem zeitgleichen Termin im Vatikan. Woelki erklärte: “Für mich ist der Synodale Weg abgeschlossen.”
Bislang war eine Gruppe um diese beiden nicht gewillt, sich an der künftigen Synodalkonferenz zu beteiligen. Dieses neue bundesweite, gemeinsame Beratungs- und Beschlussgremium von Bischöfen und katholischer Basis soll vorbehaltlich der Zustimmung aus Rom im November an den Start gehen. Ob der Papst und seine Berater noch weitere “Anpassungen” einfordern werden, ist ungewiss. Doch deuten die bisherigen Äußerungen von Leo XIV. eher in die Richtung eines kompromissbereiten “Ja, aber…” als auf ein schroffes Nein.