Raphael Steenbuck aus Barmstedt im Interview über seine Reise

Der Pastor, der die Welt umsegelte

Ein Jahr lang ist der Theologe mit seiner Frau Imke unterwegs gewesen – von Kiel in die Karibik. Hier spricht der 44-Jährige über seine Erlebnisse und davon, wie ihn die Reise verändert hat.

Pastor Raphael Steenbuck am Steuer der Yacht Espíritu

von Bettina Albrod

Wann entstand der Wunsch nach einer Weltreise?
Raphael Steenbuck: Mein Vater war Pastor, meine Mutter Missionarin. Sie sind mit meinem Bruder und mir nach 14 Jahren Ellerbek sechs Jahre nach Chile gegangen. Das hat unsere Horizonte total verändert und uns beschenkt. Meine Frau Imke und ich wollten aber nicht wegziehen. Da kam die Sabbat-Idee aus 3. Mose 25. Ich arbeite viel und gern. Ich habe aber auch schon viele Menschen in meinem Alter beerdigt, auch einen Freund. Und mir war klar: Wir haben nur ein Leben. Soll das nur Arbeit sein?

Warum haben Sie sich für eine Seereise entschieden?
Wir segeln beide gern. Dazu ist es eine sehr langsame Art zu reisen, die die Größe dieser Welt viel besser wiederspiegelt als wenn man in ein paar Stunden auf die andere Seite der Welt fliegen würde. Dazu ist man so nah an der Natur.

Was war der schönste Moment?
Es gab zu viele schöne und besondere Momente, ich könnte keinen besonderen auswählen. Natürlich war die Karibik wunderschön. Aber auch nach den Atlantiküberquerungen Ankommen war emotional.

Hatten Sie auch einmal Angst?
Klar! Jeder Segler hat Angst! Im Sturm oder als unsere Ruderanlage mitten auf dem Atlantik anfing zu klappern.

Raphael Steenbuck am Strand von Bequia, einer kleinen Insel südlich von St. Vincent in der Karibik Foto: Privat

Hat die Reise Ihren Glauben verändert?
Definitiv. Perspektiven haben sich verschoben. Nach sechs Wochen Atlantiküberquerung weiß man, wie groß die Welt wirklich ist, und wie viel größer muss Gott dann sein? Unbeschreiblich, wie klein man sich fühlt da draußen, wie demütig man wird und sich doch geborgen fühlt.

Lesen Sie die „Bootsgeschichten“ der Bibel heute anders?
Ja, jetzt habe ich lebendige Bilder und Erinnerungen. Zum Beispiel, als der Sturm nach zehn Stunden nachließ und die Sonne durch die Wolken brach.

Woran denkt man auf dem Wasser?
Was kann ich essen?

Fühlt man sich auf dem Schiff „gefangen“?
Überhaupt nicht. Denn das Schiff eröffnet einem ja eine Freiheit sondergleichen. Es gibt keine Zäune auf dem Wasser.

Waren Sie von der Corona-Pandemie betroffen?
Ja, als wir in Guadeloupe ankamen, mussten wir sofort fünf Wochen in den Lockdown und saßen mehr oder weniger auf dem Boot fest. Es war aber eine herrliche Bucht, es gab einen Supermarkt und fünf weitere deutsche Yachten, sodass keine Einsamkeit aufkam.

Hatten Sie Angst, zu Hause etwas zu verpassen?
Ja, als die Krebsdiagnose meines Vaters kam.

Hat Segeln etwas von Pilgern?
Definitiv. Das war ja auch der Plan. Man braucht nur wenig. Man macht sich auf den Weg, lässt sich ein auf das, was Gott bereitet.

Haben Sie eine neue Erkenntnis mitgebracht?
Gott ist unendlich größer als wir uns jemals nur ansatzweise vorstellen können. Wir Menschen sind beschränkter, als ich dachte. Diese Welt ist ein krasses Wunder.

Ist eine solche Reise eine Art von Prüfung?
Ja. Man kommt häufig an und über die eigenen Grenzen. Man lernt so viel und erlebt so viel neue Perspektiven, das verändert einen. Ich bin, glaube ich, demütiger, staunender, dankbarer und mutiger geworden.

Hatten Sie Kontakt zu Ihrer Gemeinde?
Nein. Das war der Sinn der Übung.

Würden Sie so eine Reise wiederholen?
Das würde ich definitiv. Das geht natürlich nicht sofort, und man muss überlegen, wo und wie man eine erneute Reise macht, aber ich würde auf jeden Fall gern wieder mit dem Segelboot los.

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