Buch-Tipp der Woche

Der Mord rückt in den Hintergrund

Einen Krimi nur aus Dialog legt Steven Uhly mit "Finsternis" vor. Ein interessantes Experiment, das am Ende scheitert.

von Sabine Bahnsen

Steven Uhly wählt für seinen Kriminalroman eine ungewohnte Perspektive: „Finsternis“ besteht aus zwölf Gesprächen des Kriminalbeamten Abid Malik mit einer Psychotherapeutin. Maliks Erzählungen ist aber zu misstrauen, denn er geht nur auf Geheiß seines Vorgesetzten zu den Therapiestunden.

Der Kriminalfall, ein brutaler Sexualmord, rückt zunehmend in den Hintergrund, und für Malik tut sich ein zusätzlicher Konflikt auf: Die Tote war die leibliche Mutter seines Kollegen, weshalb dieser nun auf eigene Faust ermittelt und Malik nötigt, ihm dabei zu helfen. Malik, der bis dahin eher überkorrekt agierte, gerät in heftige Gewissenskonflikte.

Uhlys Idee, den ganzen Roman in Dialogen Maliks mit der Psychotherapeutin zu erzählen, wirkt zunächst reizvoll, weil der Leser selbst zum Ermittler auf der Suche nach der Wahrheit wird. Weil aber in dieser Konstruktion alle Details des Falls von Malik berichtet werden müssen, wird das Geschehen schnell unübersichtlich, die Figuren des Falls bleiben blass, das Verfolgen der diversen Hand­lungsstränge erfordert viel Konzentration.

Malik und seine Therapeutin erhalten keine Konturen durch einen charakteristischen Sprachduktus. Die Psychotherapeutin ist zudem merkwürdig steif und muss, um die Krimihandlung nachvollziehbar zu machen, eine ganz untherapeutische Neugier auf Details des Falls zeigen. Hinzu kommt gegen Ende ein weiterer Dreh, der diese Figur – und damit den Roman – endgültig unglaubwürdig macht.

Steven Uhly: Finsternis.
Secession Verlag 2020, 208 Seiten, 20 Euro.

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