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Der Krieg der Kulturen – Donald Trump und die US-Filmbranche

Das Imperium schlägt zurück. Der Kulturkampf in den USA wird immer aggressiver, mit dem das MAGA-Lager gegen liberale Gegner vorgeht – auch in der Filmbranche. Ein Blick auf film- und medienpolitische Interventionen.

In einer an Niederträchtigkeit nicht armen Laufbahn markierten die Äußerungen von US-Präsident Donald J. Trump über den mutmaßlich ermordeten Regisseur Rob Reiner einen neuerlichen Tiefpunkt, der selbst manchen republikanischen Parteigenossen einigermaßen verstört zurückließ. Auf seiner Plattform “Truth Social” insinuierte Trump unter anderem, Reiner sei aufgrund seines gegen den US-Präsidenten gerichteten Engagements getötet worden. Die Empathielosigkeit und der Narzissmus, der aus den Zeilen hervorgeht, dürften im Grunde niemanden mehr überraschen. Dennoch offenbaren diese Sätze einen moralischen Abgrund und müssen als Menetekel für das Wahljahr 2026 verstanden werden.

Trump, seine MAGA-Verbündeten (“Make America Great Again”) sowie der zunehmend tonangebende rechtsnationalistisch-isolationistische Flügel der Partei sind im symbolpolitischen Kulturkampf der vergangenen Jahre erprobt. Angesichts eines möglicherweise drohenden Machtverlusts im US-Kongress dürften die Lautstärkeregler des “Culture Wars” aber 2026 noch einmal deutlich nach oben gefahren werden. Das traditionell als linksliberale Bastion interpretierte Hollywood dürfte dabei zu einem der zentralen Schauplätze von Trumps Kulturkampf werden, flankiert von einer Reihe politischer Maßnahmen und Interventionen, die sich in den vergangenen Monaten schon angedeutet haben und realwirtschaftliche Folgen für die US-Filmindustrie zeitigen.

Bereits Anfang 2025 setzte Trump mit der Ernennung sogenannter “Sonderbotschafter” in Hollywood ein einschlägiges kulturpolitisches Zeichen. Zwar ließen Sylvester Stallone, Mel Gibson und Jon Voight als “Ambassadors” in der Sache wenig von sich hören. Durch die Ernennung von Loyalisten im liberalen Hollywood war jedoch eine kulturelle Gegenerzählung platziert worden, die beträchtliche mediale Aufmerksamkeit auf sich zog.

Mit der Ernennung der drei Stars – von denen insbesondere Gibson immer wieder auch mit rassistischen und antisemitischen Bemerkungen hervorgetreten war – setzte Trump nicht auf offene Zensur, sondern auf personalisierte Einflussnahme. Also auf seine Art der Spezl-Wirtschaft, von der sein politisches Schaffen insgesamt geprägt ist.

Überschattet wurde die Ernennung der drei allerdings von den verheerenden Waldbränden, die auch Hollywood heimsuchten. Hinzu kam später die Unruhe durch die wirtschaftspolitischen Akzente von Trumps Zollpolitik. Nachdem er Importzölle gegen verschiedene Nationen verhängt hatte, formulierte er entsprechende Drohungen auch gegenüber der Filmindustrie. So verlangte Trump unter anderem einen 100-prozentigen Zoll auf im Ausland produzierte Filme, ohne jedoch diese Forderung weiter zu konkretisieren.

Die Ansagen sorgten in Hollywood für helle Panik. Gerade im Segment prestigeträchtiger Kino- und Serienproduktionen werden europäische Studios gerne genutzt, etwa die Londoner Pinewood Studios, wo von “James Bond” über “Star Wars” bis zu den “Marvel”-Filmen viele Produktionen entstanden sind. Daneben sind insbesondere Ungarn und Tschechien weitere wichtige Produktionsstandorte.

Wobei Trump mit seinem Vorwurf, internationale Steuer- und Subventionsprogramme zögen Produktionen aus den USA ab, nicht ganz falsch liegt. Mit teils aggressiven Steueranreizmodellen lockten einige Staaten US-Produktionen ins Land; vor allem Großbritannien versprach bei Großproduktionen Steuerrückzahlungen in Millionenhöhe. Dies bedeutet für die vergleichsweise teuren US-Standorten mit ihrer straffen gewerkschaftlichen Organisation einen spürbaren Standortnachteil. Nach Trumps großspuriger Ankündigung, Hollywood “wieder groß zu machen”, blieb jedoch bis heute völlig unklar, wie ein solcher Zoll konkret funktionieren soll.

Sehr konkrete politische Wellen schlug die Absetzung des beliebten Late-Night-Hosts Jimmy Kimmel. Dieser wurde von Disney und dem Sender ABC aufgrund kontroverser Äußerungen im Fall des ermordeten rechtskonservativen Aktivisten Charlie Kirk zunächst aus dem Programm genommen. Kimmel hatte sich allerdings keinesfalls despektierlich gegenüber dem ermordeten Kirk geäußert, sondern vielmehr Trumps pietätloses Gerede darüber thematisiert.

Trotzdem sorgte der enorme Druck dafür, dass ABC bekanntgab, “Jimmy Kimmel Live!” vorübergehend abzusetzen. Der Fall führte in Hollywood zu heftiger Empörung und zu einer Vielzahl öffentlicher Stellungnahmen, in denen sich Prominente gegen eine politisch motivierte Einflussnahme aussprachen. Medien und Stars warnten vor Zensur und einem Angriff auf die freie Rede. Infolge des massiven öffentlichen Widerstands wurde die Suspendierung schließlich wieder aufgehoben.

Der US-Präsident spielte auch bei der Übernahme der Paramount-Studios durch das Unternehmerpaar Larry und David Ellison und ihr Technologie-Imperium Oracle und Skydance eine entscheidende Rolle. Mit dem zum Paramount-Konzern gehörenden Sender CBS und der Politiksendung “60 Minutes” lieferte sich Trump zuvor eine Schlammschlacht. Er behauptete, dass “60 Minutes” ihn im Wahlkampf zugunsten seiner Kontrahentin Kamala Harris benachteiligt habe, indem seine Aussagen im Vergleich zu denen von Harris übermäßig beschnitten worden seien. Normale redaktionelle Vorgänge wurden von Trump und seinen Anhängern auf diese Weise skandalisiert; eine Zustimmung der Wettbewerbsbehörden schien plötzlich vom Placet des Präsidenten abzuhängen. Tatsächlich räumte im April 2025 der langjährige Executive Producer von “60 Minutes”, Bill Owens, seinen Posten – zeitlich auffällig parallel zum Übernahmeprozess von Paramount Global durch Skydance.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch die Installation der konservativen Publizistin Bari Weiss als künftige Chefredakteurin von CBS News. Die Personalie lässt sich als Machtdemonstration der konservativen Vorstellungen zuneigenden Ellisons lesen. Viele in Hollywood fragen sich seither, wie sich das Gebaren der neuen Geschäftsführung auf den Studiobereich des Unternehmens auswirken wird.

“Ein Wort mitsprechen” will Trump offenbar auch bei der sich anbahnenden Übernahme des traditionsreichen Warner-Studios durch den Streamingdienst Netflix. Das Engagement des Netflix-Chefs Ted Sarandos für die Demokratin Kamala Harris im Präsidentschaftswahlkampf 2024 ist Trump bis heute ein Dorn im Auge. Es gilt als offenes Geheimnis, dass er lieber seinen Weggefährten Larry Ellison als Käufer sähe. Ein heikles Detail ist dabei bislang ausgeblendet geblieben. Denn Netflix hat kein Interesse an den Fernsehstationen von Warner, zu denen auch der Nachrichtensender CNN zählt.

Trump und die Republikaner sähen dieses Kronjuwel liberaler Publizistik allzu gern in konservativer Hand. Ob die Ellisons bei einem geglückten Netflix-Warner-Deal nach diesen Konzernanteilen greifen werden, bleibt abzuwarten.

Hollywood reagiert auf die politischen Interventionen aber längst nicht mehr nur mit Stellungnahmen, offenen Briefen oder symbolischen Gesten, sondern zunehmend auch mit ästhetischen Antworten. Während Studios und Konzerne hinter den Kulissen taktisch lavieren und nicht selten dem politischen Druck nachgeben, verwandeln sich Kino und Fernsehen – zumindest in Teilen – selbst wieder zu Austragungsorten politischer Deutungskämpfe. In jüngeren Produktionen artikuliert sich eine Unruhe, die die gesellschaftlichen und psychologischen Tiefenstrukturen der Trump-Ära erzählerisch zu durchdringen versucht.

So nimmt etwa Paul Thomas Andersons “One Battle After Another” die aggressive Migrations- und Abschiebepolitik der Vereinigten Staaten in den Blick. Konkret beschreibt der Film Praktiken der Einwanderungsbehörde ICE, wobei staatliche Gewalt, individuelle Ohnmacht und moralische Verstrickung ineinandergreifen.

Ähnlich indirekt, aber nicht minder präzise verfährt Ari Aster in “Eddington”. Die in der Pandemiezeit angesiedelte Satire erweist sich bei genauerem Hinsehen als bitterernste Studie einer Gesellschaft, in der Verschwörungserzählungen, digitale Echokammern und paranoide Selbstvergewisserung zur Normalität geworden sind. Aster zeigt, wie sich politische Radikalisierung aus Angst, Isolation und medialer Überreizung speist – ein Klima, das Trump nicht erfunden, aber systematisch befeuert hat.

Besonders deutlich wird die neue filmische Auseinandersetzung in “The Mountainhead” von Jesse Armstrong. Der Film nimmt die “Tech-Bro-Szene” ins Visier – ein Milieu aus Silicon-Valley-Milliardären, libertären Ideologen und politisch einflussreichen Akteuren, das unter Trump erheblich an Bedeutung gewonnen hat. “The Mountainhead” entlarvt den Mythos technologischer Neutralität und zeigt, wie eng im Trump-Zeitalter ökonomische Interessen, autoritäre Versuchungen und demokratieferne Weltbilder miteinander verwoben sind.

Gemeinsam ist diesen Filmen, dass sie sich einem plakativen Gegenentwurf verweigern. Sie sind keine moralischen Lehrstücke, sondern Ausdruck eines tiefsitzenden kulturellen Unbehagens. Hollywood erscheint hier als ästhetischer Resonanzraum, in dem die Widersprüche der Trump-Ära sichtbar und damit verhandelbar werden.