Geschäftsführer Hans Hopkes verlässt Kloster Dobbertin

Der Klosterhauptmann geht

Er hat aus einer maroden psychiatrischen Klinik eine moderne diakonische Einrichtung gemacht. Hans Hopkes ist 31 Jahre Geschäftsführer des Diakoniewerkes Dobbertin gewesen.

Hans Hopkes geht in den Ruhestand

von Manja Potts

Dobbertin. Hier soll er also bleiben? Es ist sehr warm, und der Geruch von Kohle hängt in der Luft. An den 1. August 1991 kann sich Hans Hopkes noch genau erinnern. Er ist das erste Mal im Kloster Dobbertin. Der Mann von der Nordseeküste ist ins Mecklenburgische gefahren. Er soll Geschäftsführer des gerade erst gegründeten Diakoniewerkes Kloster Dobbertin gGmbH werden. 30 Jahre und elf Monate später ist der Moment, Bilanz zu ziehen. Am 17. Juni endet seine Zeit in diesen altehrwürdigen Mauern.

Mit wenigen Schritten durchmisst er sein Büro, Nummer 1.17 steht an der Tür. Das Parkett knarrt unter jedem Tritt. Über der Tür thront ein großes Hirschgeweih, auf dem Schreibtisch wacht ein kleiner Engel. Große wuchtige Schränke stehen im Raum, alles hier atmet Geschichte. Der Klosterhauptmann setzt sich in den dunklen Ledersessel und erzählt. Klosterhauptmann – so nennen sie den Chef hier, nicht einfach Geschäftsführer. Denn dies hier ist kein Geschäft. Es sind 800 Jahre Klostergeschichte, 800 Jahre Verantwortung und Verpflichtung. Hans Hopkes hat drei Jahrzehnte davon mitgestaltet. Länger hatte kein Klosterhauptmann vor ihm das Amt inne.

Wie alles anfing

Als Hopkes zum Kloster Dobbertin kommt, ist der studierte Betriebswirt für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im sozialen Bereich unterwegs. „Das war eine spannende Zeit“, erzählt er. „Die Einrichtungen und Mitarbeitenden erlebten den Übergang vom Gesundheitssystem der DDR zur Sozialgesetzgebung der BRD. Das bedeutete schon einen Umbruch“. Das Kloster gehörte bis zur Übernahme durch das Diakoniewerk zur Bezirksnervenklinik in Schwerin. 550 Bewohner mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung lebten hier. Zu viele, das wird schnell klar. „Die spannende Frage war: Wie kriegen wir vernünftige Lebensbedingungen für die Menschen und angemessene Bedingungen für Wohnen und Arbeiten hin?“ Die Sanitäranlagen waren überlastet, die Zimmer voll. 132 Kohleöfen sorgten für Wärme und warmes Wasser. „Wir haben erst einmal klein angefangen, damit überhaupt etwas vorwärts geht.“

Alle Gebäude des Klosters Dobbertin wurden grundlegend saniert, zuletzt die Klosterkirche Foto: Diakonie

Doch was soll mit dem Areal als Ganzem geschehen? 8,6 Hektar, 22 denkmalgeschützte Gebäude und eine Kirche gilt es zu sanieren und entwickeln. Diese Frage beschäftigt Hopkes für die nächsten Jahre. Gemeinsam mit der Landesregierung wird für das Kloster eine Zielplanung als Einrichtung für Menschen mit Behinderungen erarbeitet. „Das zog sich allerdings bis 1997“, sagt der 64-Jährige. Dann stehen der Plan und das Bekenntnis zum Kloster. 285 Menschen sollen in Dobbertin bleiben. „Dann kam die spannende Frage, was das alles kostet“, sagt Hopkes. 49,6 Millionen DM wurden im Kabinettsbeschluss 66/97 veranschlagt. Ein Mammutprojekt – für Hans Hopkes­ ein Glücksfall. „Wer darf schon ein Kloster sanieren“, freut er sich noch heute. „Das Spannende war, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden.“

Neben der Sanierung baut er nach und nach die Angebote des Diakoniewerkes aus. „Wir haben das Krankenhaus in Neu Kaliß übernommen und den Psychiatriebereich ausgelagert.“ In Parchim, Plau und Waren entstehen Wohnheime. In Goldberg wird ein Pflegeheim für geistig behinderte Menschen eingerichtet. So können im Laufe der Jahre immer mehr Bewohner des Klosters in neue Einrichtungen umziehen. Heute reicht das Diakoniewerk von Dömitz im Westen bis nach Boock im Osten. „Wir sind einer der größten Anbieter sozialer Dienstleistungen im Land“, sagt Hopkes. Kitas, Altenpflegeheime, eine Schule, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Beratungsstellen, all das sammelt sich unter dem Dach des Diakoniewerkes. Daneben bleibt die inhaltliche Arbeit nicht stehen.

Steckenpferd Arbeitsrecht

Die Gesetzesänderungen in der Pflege und Eingliederungshilfe, deren Umsetzung in dieser Zeit begleitet wurden, sind kaum noch zu zählen und bedeuten immer eine konzeptionelle Anpassung. Noch ein zweites Steckenpferd pflegt Hans Hopkes: das Arbeitsrecht. Er ist Mitgründer der Arbeitsrechtlichen Kommission (ARK) des Diakonischen Werkes Mecklenburg und arbeitet im Fachgremium auf Bundesebene mit. Die ARK gestaltet die Arbeitsvertragsrichtlinien, in denen auch die Vergütung der Mitarbeitenden, Urlaubs- und Fortbildungsregelungen niedergeschrieben sind.

Inzwischen hat der Klosterhauptmann Hans Hopkes die Geschäftsführung an Elke Ronneberger und Jens Becker übergebn. „Das Feld ist gut bestellt“, sagt er. „Dennoch sind die zukünftigen Herausforderungen insbesondere durch das Bundesteilhabegesetz und den demographischen Wandel sehr groß.“

Der Plan für den Ruhestand

Und was macht Hans Hopkes im Ruhestand? „Nichts.“ Fast nichts. Mitglied in verschiedenen Aufsichtsgremien und Organisationen wird er bleiben, vor allem aber heißt es: „Family first“.

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