Der Dom von Meldorf erzählt Geschichten

Vom aufklappbaren Passions­-Altar bis zum jahrhundertealten Taufbecken – ein neues Buch erzählt die Geschichten des Meldorfer Doms.

Meldorf. „Im Hüten unserer Schätze sind wir vorbildlich“, sagt Kirchengemeinderätin Anna Wölber aus Meldorf. Beim Präsentieren dieser Schätze sei das allerdings anders. Das soll sich mit der Herausgabe des neuen Kirchenführers „Der Dom erzählt“ in Zukunft ändern.
Anna Wölber hat dazu Geschichten ihrer ganz persönlichen Lieblingsschätze beigetragen. Als Beispiel verweist sie auf eine dunkle Tafel an der Ostwand der Kirche. Das 1,90 Meter breite und 1,40 Meter hohe Epitaph ist recht unscheinbar, doch es steckt eine berührende Geschichte dahinter.
Die pensionierte Lehrerin kennt die Übersetzung des lateinischen Textes, der in goldenen Lettern in die Tafel eingelassen wurde. „Es handelt sich hier um einen Dialog zwischen einem Vater und seinen ganz jung verstorbenen Kindern“, erklärt die 69-Jährige. Dem Vater war es versagt, seine Kinder Christina und Antonius zu beerdigen. Und so ließ er seine Trauer in dem Epitaph verewigen. „Die Kinder hingegen trösten ihren Vater. Sie schreiben ihm, dass sie das ‚Himmelsgewölb‘ lieben und sich auf ein Wiedersehen mit ihrem ‚lieben Papa‘ freuen würden.“

16 Autoren und ihre Lieblingsschätze

Anna Wölber ist froh darüber, dass mit der Herausgabe des Buches nun jeder die Geschichte der im 16. Jahrhundert lebenden Familie Wasmer nachlesen kann. „Mit diesem Hintergrundwissen können unsere Besucher das Epitaph ganz anders wahrnehmen“, hofft sie.
Ihren 15 Mitautoren, allesamt Freunde des Meldorfer Doms, geht es ganz ähnlich. Auch sie haben ihre „Lieblingsschätze“, die sie den Lesern näher vorstellen möchten. So beschreibt beispielsweise Pastorin Ina Brinkmann den ältesten Gegenstand im Dom, das aus dem 13. Jahrhundert stammende Taufbecken aus Bronze. Gestützt wird es von drei Männerfiguren, die finster dreinschauen und von der Autorin als „archaisch anmutende“ Wesen bezeichnet werden.
Um den aus dem Jahre 1520 stammenden aufklappbaren Passions­-Altar geht es in einem Kapitel, das Propst i. R. Klaus Jürgen Horn geschrieben hat. Und Journalist Jochen Bufe widmet sich ausführlich den gotischen Deckenmalereien und Gewölbe-fresken, die biblische Szenen wie den Sündenfall darstellen.
Lob von der Altbischöfin
Es gibt Kapitel über kirchenmusikalische Traditionen, archäologische Aspekte sowie die Baugeschichte des zwischen 1250 und 1300 erbauten Doms. Das Buch hat 120 Seiten, viele Fotos zeigen die Schätze aus der Nähe, beispielsweise die Kreuzigungsszene im Passions-Altar.
Mit der Entstehung des Buchs geht ein langjähriger Wunsch von Anna Wölber in Erfüllung. „Wir haben so viele wundervolle Dinge in unserem Dom“, sagt die Meldorferin, „da ist es doch spannend, mehr über sie zu erfahren.“ Die Texte und viele Fotos stammen von den Gästeführern und Vortragenden im Dom.
Das Buch „Der Dom erzählt“ kommt nicht nur bei den Meldorfern gut an. „Höchstes Kompliment“, lobte die ehemalige Hamburger Bischöfin Maria Jepsen in ihrem Brief an Anna Wölber. „Es drängt zu einem Besuch, um den Dom noch mal zu erleben“, schreibt die Altbischöfin weiter.
Info
Das Buch „Der Dom erzählt“ ist für 10 Euro erhältlich im Meldorfer Dom, im Kirchenbüro Meldorf, Klosterhof 19, oder unter Telefon 04832 / 67 40. Die Einnahmen kommen der Erhaltung des Doms zugute.