Haus am Schüberg muss schließen

„Das ist mein Lebenswerk“

Nach mehr als 65 Jahren gibt der Kirchenkreis Hamburg-Ost seine beliebte Tagungsstätte auf, Corona gab der Einrichtung den Rest. Ein wehmütiger Blick zurück.

Axel Richter und Katja Paulsen vor dem Haus am Schüberg.

von Thorge Rühmann und Marieke Lohse

Ammersbek. Vor gut einem Jahr wurde noch modernisiert, nun wird es aufgegeben: Das Haus am Schüberg in Ammersbek schließt seine Pforten Ende Juni. 65 Jahre lang bestand das Bildungs- und Tagungszentrum des Kirchenkreises Hamburg Ost – jetzt sorgte die Pandemie für das Ende.

„Die Corona-Krise hat die bereits bestehende schwierige wirtschaftliche Situation des Tagungshauses deutlich verschärft“, so Silvia Schmidt, Leiterin des Bereichs Bildung des Kirchenkreises. Dabei waren noch Anfang 2020 Maßnahmen begonnen worden, um das Haus zukunftsfähig aufzustellen – doch infolge der Pandemie seien Auslastung und damit Umsatz des Tagungsbetriebs so sehr zurückgegangen, dass es aus wirtschaftlichen Gründen keinen Spielraum mehr gegeben habe für eine Weiterentwicklung. Nun soll es veräußert werden: Wer Haus und Grundstück in Zukunft auf welche Weise nutzen wird, steht allerdings noch nicht fest.

17 Jobs gehen verloren

Im Haus am Schüberg fanden Veranstaltungen insbesondere zu Nachhaltigkeit, Spiritualität, Frieden, Kunst und Gerechtigkeit statt. Bislang bestand es aus drei Einrichtungen: dem Umwelthaus, dem Kunsthaus und dem Tagungsbetrieb. Letzterer ist von der Schließung direkt betroffen: 17 Personen verlieren ihre Arbeitsstelle. Der Kirchenkreis sei mit ihnen im Gespräch und wolle sie im Übergang begleiten, so Schmidt. Im Gegensatz dazu sollen das Umwelt- und Kunsthaus bestehen bleiben – nur eben an anderer Stelle.

Katja Paulsen hat das Tagungszentrum acht Jahre lang geleitet. „Es war ein Aneinander-Reiben-und-Wachsen“, schildert sie. Das Personal sei von Besuchern zunächst oft als Gastgeber wahrgenommen worden. Deshalb habe sie sich mit ihrem Team vorher über die Kunst informiert, die im Haus ausgestellt wurde. „Damit wir unsere Gäste darüber abholen können“, erläutert Paulsen mit Wehmut in der Stimme. „Das war eine schöne Herausforderung, die uns oft gut gelungen ist.“ Und wenn nicht, habe man daraus gelernt. „Das war das bisschen Mehr, auf das wir auch sehr stolz waren.“

Auch Wut unter Gästen

Vor wenigen Tagen konnten ehemalige Gäste noch einmal Abschied vom Haus am Schüberg nehmen. Die Begegnungen vor Ort seien vor dem Hintergrund der Schließung nicht immer einfach gewesen, so Paulsen. Es habe sowohl schöne als auch traurige Erinnerungen gegeben. „Viele haben ihre Gedanken, ihre Traurigkeit ausgedrückt, auch Wut dagelassen.“

„Ohne Reibung wäre man hier fehl am Platz – und Wachsen tut man durch die Reibung“, greift Axel Richter, der das Kunsthaus leitet, das Bild seiner Kollegin auf. Er schildert, wie Pastoren etwa aus der hannoverschen Landeskirche nach Ammersbek kamen, um Steinhau-Kurse zu besuchen. „Wir haben ihnen Meißel und Hammer in die Hand gedrückt, dann hieß es: ‚Tu’ was. Nutze die Stunden und Tage!‘.“ Nach einer Woche seien die Theologen gegangen, manche, so Richter mit den Worten: „Ich habe so viel erlebt, das reicht für die nächsten zehn Predigten.“

Pilgern auf der Stelle

Das Angebot sei wie Pilgern auf der Stelle, so Richter, und habe den Teilnehmern oft Selbst- und Welt­erkenntnis gebracht. Kunst und Kirche miteinander zu verzahnen – und das niedrigschwellig –, das habe das Haus am Schüberg ermöglicht. Dieses „Pioniergeschäft“ höre jetzt auch nicht auf, so Richter. Auch wenn noch nicht feststeht, wo das Kunsthaus künftig unterkommt, kreative Aktionen will er weiterhin umsetzen, das gehe auch mobil.

Für ihn bleibt das Haus am Schüberg dennoch eine wichtige Station: „Das ist mein Lebenswerk hier“, sagt er. „Ich habe hier 30 Jahre lang den Buckel krumm gemacht und mich jeden Tag darüber gefreut“ – auch mit Blick auf das 3500 Quadratmeter große Gartenareal, das er mit seinem Team wieder instandgesetzt, gepflegt und Neues gestaltet hat. Und das gelte auch in der Theologie, so Richter: „Wir müssen aus dem Geist heraus wirken und in Verantwortung treten – und können nicht nur Materie hin- und herschieben.“

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