„Das ist hier wie ein kleiner Kirchentag“

Die hannoversche Landeskirche sagt den rund 130.000 freiwilligen Mitarbeitern in den Kirchengemeinden Danke. Zum Ehrenamtlichentag kommen 4.000 Besucher. Besonders gefragt ist der Vortrag von Margot Käßmann.

Norman Klass

Hannover. Beate Böttcher und Ingrid Märtz posieren gut gelaunt für ein Foto vor dem lila Banner der hannoverschen Landeskirche auf dem Messegelände in Hannover. "Willkommen zum Ehrenamtlichentag 2017" steht darauf. "Dieser Tag fördert die Motivation und gibt neue Anregungen", sagt die 49-jährige Böttcher. Schließlich gebe es im Ehrenamt ja auch mal Enttäuschungen und Durststrecken. Die beiden Frauen engagieren sich gemeinsam im Kirchenvorstand in Wittingen bei Wolfsburg.
Insgesamt besuchen an diesem Sonnabend mehr als 4.000 Ehrenamtliche aus ganz Niedersachsen das Fest. Die größte evangelische Landeskirche in Deutschland will unter dem Motto "… von Herzen" ihren vielen freiwilligen kirchlichen Mitarbeitern Danke sagen.
Für Landesbischof Ralf Meister ist der Ehrenamtlichentag, der in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet, ein wichtiges Zeichen an die rund 130.000 freiwilligen Mitarbeitenden der Landeskirche. "Ohne Ehrenamt würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren", ist der Bischof überzeugt. Im vergangenen Jahr sei deutlich geworden, wie wichtig ehrenamtliches Engagement bei der Aufnahme von Flüchtlingen ist. "Da haben die Menschen Herz gezeigt", sagt Meister. "Unsere Gesellschaft braucht mehr Herz, und die Ehrenamtlichen tragen viel zur Herzlichkeit der Kirche bei."

Buntes Programm

Das Programm auf dem Ehrenamtlichentag ist bunt: Auf einem Markt der Möglichkeiten stellen sich kirchliche Initiativen wie die Kleiderstiftung, die Notfall-Seelsorge oder die Evangelische Erwachsenenbildung vor. In der Messehalle können die Ehrenamtlichen Workshops über den Dialog mit Muslimen, Mitarbeitermotivation oder Klimaschutz besuchen.
Einige genießen einfach den strahlenden Sonnenschein und hören der Live-Musik auf der Freilicht-Bühne zu. Außerdem werden Vorträge angeboten. Hauptreferentin ist die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann. Die frühere hannoversche Landesbischöfin hatte 2001 den ersten "Tag des Ehrenamts" mitbegründet. Käßmanns Vortrag über die weltweite und ökumenische Dimension des 500. Jahrestages der Reformation im kommenden Jahr wollen viele Menschen hören. Mehr als zwei Drittel der 4.600 Papp-Hocker sind besetzt.
Als Reformationsbotschafterin unterstreicht sie die weltweite und ökumenische Dimension des 500. Jahrestages der Reformation im kommenden Jahr und versicherte: "Es wird keinen Kult um Martin Luther geben, wie manche befürchten." Der deutsche Protestantismus und das weltweite Luthertum seien souverän genug, um die Schattenseiten ihres großen Vorbildes, etwa seine Judenfeindschaft, nicht auszublenden.

"Das tut uns Ehrenamtlichen gut"

Erdmute Schodder aus Burgwedel bei Hannover genießt es, sich mal richtig verwöhnen zu lassen. "Das tut uns Ehrenamtlichen gut, Wertschätzung zu erfahren", betont die Rentnerin. Sie ist seit 18 Jahren im Besuchsdienst ihrer Gemeinde aktiv und besucht Menschen zu ihren Geburtstagen. Außerdem arbeitet sie im Hospiz mit – natürlich ehrenamtlich. "Ich bin schon sehr früh verrentet worden und habe nach einer sinnvollen Arbeit gesucht." Auch der Gedanke, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, habe bei der Suche nach einem Ehrenamt eine Rolle gespielt.
Für Wenke Memenga ist im Ehrenamt vor allem die Gemeinschaft wichtig. "Ich kann nicht alleine Christ sein", sagt die 35-jährige Kirchenvorsteherin, die ebenfalls aus Burgwedel kommt. Auf dem Ehrenamtlichentag genießt sie das gemeinsame Singen und die Diskussionen. "Das ist hier wie ein kleiner Kirchentag." (epd)