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Christen feiern Weihnachten – Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit

Politische Appelle und die Hoffnung auf eine friedlichere Welt. All das hat Weihnachten 2025 bisher geprägt. Tatsächlich gab es für viele Menschen weltweit an Heiligabend und dem ersten Feiertag eine Ruhepause.

Christen auf der ganzen Welt haben am Donnerstag den ersten Weihnachtstag gefeiert. Mit Spannung erwartet worden waren die Christmette im Petersdom an Heiligabend sowie der traditionelle Segen “Urbi et orbi” des Papstes auf dem Petersplatz. An seinem ersten Weihnachten als Oberhaupt der katholischen Kirche nahm Leo XIV. eine Tradition seiner Vorgänger Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013) wieder auf und sprach Weihnachtsgrüße in zehn Sprachen – auch auf Deutsch. Papst Franziskus (2013-2025) hatte darauf verzichtet.

Obwohl es regnete, waren nach Vatikan-Angaben 26.000 Menschen auf den Petersplatz gekommen. Dort bat Leo XIV. für Frieden und Stabilität in zahlreichen Ländern weltweit, die Kriege und Krisen erleben. Auch rief der dazu auf, nicht andere zu beschuldigen, sondern zuerst eigene Fehler zu erkennen und Gott um Vergebung zu bitten. Auch solle man sich in die Lage der Leidenden versetzen und sich mit den Schwachen und Bedrängten solidarisieren, “dann würde sich die Welt verändern”.

Aufatmen konnten an Heiligabend und dem ersten Weihnachtsfeiertag Christen in Israel und den palästinensischen Gebieten. Nach zwei Jahren des Kriegs begrüßten Tausende Menschen in Bethlehem zunächst den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der sagte: “Nach zwei Jahren Dunkelheit brauchen wir Licht.” In der Nacht feierte er die Christmette, an der traditionell auch der palästinensische Präsident teilnimmt. In diesem Jahr wurde er von seinem Vize Hussein al-Scheich vertreten.

Auch in Deutschland haben Appelle für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt die Weihnachtspredigten dominiert. Gegen Nationalismus und Abschottung wandte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing. Statt egoistischen Denkens mit der Parole “Wir zuerst!” brauche es mehr Solidarität und gemeinsame Verantwortungsübernahme, sagte er am ersten Weihnachtsfeiertag. Konkret fragte Bätzing: “Glauben wir ernsthaft, wir könnten Demokratie und Zusammenhalt hierzulande stärken, ohne unseren Sozialstaat zukunftsfähig zu machen, der darauf basiert, dass die Generationen füreinander einstehen?”

Christen sollten die Vision einer geschwisterlichen Welt gegen Zynismus, Eigeninteressen und Resignation verteidigen, forderte der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Das “Ja zu einer Hoffnung – trotz alledem” sei eine tief gehende Kraft. Kardinal Rainer Maria Woelki stellte die Menschenwürde in den Mittelpunkt, die allen Menschen gelte – “ganz gleich, ob Frau, Mann oder Kind, ob reich oder arm, ob weiß oder schwarz, ob Christ oder Nicht-Christ”, sagte der Erzbischof von Köln. Damit verband er den Appell sowohl das ungeborene menschliche Leben als auch das altgewordene und kranke zu schützen.

Weitgehend ruhig blieb es Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag auf dem afrikanischen Kontinent und in Asien. Um terroristische Anschläge zu verhindern, hatte beispielsweise Indonesien, das größte muslimische Land der Welt, Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Medienberichten zufolge waren im Rahmen der landesweiten “Operasi Lilin” – “Operation Kerze” – 140.000 zusätzliche Mitarbeiter von Polizei und Militär im Einsatz.

In Weihnachtsbotschaften afrikanischer Bischöfe forderten diese Staats- und Regierungschefs auf, mehr für den Schutz ihrer Bürger zu unternehmen, Korruption zu bekämpfen und sich für Frieden einzusetzen. Samuel Kleda, Erzbischof von Douala in Kamerun, rief etwa die Regierung von Langzeitherrscher Paul Biya dazu auf, knapp 1.000 Menschen aus den Gefängnissen freizulassen. Diese waren während der Proteste rund um die Präsidentenwahl festgenommen worden.

Ein Anschlag im Nordosten Nigerias galt hingegen primär Muslimen: Unbekannte zündeten vor einer Moschee in der Regionalhauptstadt Maiduguri einen Sprengsatz, fünf Menschen starben. Das versetzte aber auch die wenigen Christen in der Stadt in Angst. An früheren Weihnachtsfesten erlebte das Land teilweise schwere Anschläge.