Bleibt der Wehrdienst freiwillig oder wird er zur Pflicht? Der Bundesjugendring befürchtet Letzteres – und lehnt entsprechende Überlegungen ab. Junge Menschen schuldeten der Gesellschaft nichts, sagt die Vorsitzende.
Der Deutsche Bundesjugendring lehnt eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ab. “Junge Menschen leisten einen erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl – in Jugendverbänden, Freiwilligendiensten, Rettungsorganisationen oder Initiativen”, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von 29 deutschen Jugendverbänden, Daniela Broda, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Sie trügen bereits Verantwortung, ohne dass man sie dazu verpflichten müsste. Broda nimmt am Montag als Sachverständige an der Anhörung des Verteidigungsausschusses zum geplanten Wehrdienstgesetz teil.
“Junge Menschen ‘schulden’ der Gesellschaft auch nichts, nur weil sie jung sind”, so Broda. Eine weitsichtige Sicherheitsarchitektur richte den Blick im Übrigen auf die Entwicklung zukunftsfähiger und widerstandsfähiger Systeme, “nicht auf kurzfristige Rekrutierungsquoten oder die Wiederbelebung überholter Strukturen”.
Während der vorgelegte Entwurf zum Wehrdienst Freiwilligkeit betone, ließen politische Begründungen und Formulierungen erkennen, dass eine verpflichtende Struktur vorbereitet werde. “Diese Diskrepanz und die daraus resultierende Unsicherheit für die persönliche Lebensplanung junger Menschen untergräbt Vertrauen”, sagte Broda. Sie vermittle den Eindruck, staatliche Planungssicherheit werde über individuelle Selbstbestimmung gestellt – “und das in einer Lebensphase, die ohnehin durch hohe gesellschaftliche und persönliche Belastungen gekennzeichnet ist”.
Junge Menschen trügen noch heute die Folgen der Coronapandemie, die vor allem Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt habe. Wegen globaler Krisen, des Klimawandels und der wirtschaftlichen Entwicklung nähmen psychische Belastungen und Zukunftssorgen zu. “In dieser komplexen Gegenwart, in der Stabilität und Orientierung ohnehin rar sind, wiegen staatliche Eingriffe in individuelle Lebensentscheidungen umso schwerer.”