Bremische Kirche feiert 500 Jahre Reformation

In der Ansgarii-Kirche ging es los: Vor 500 Jahren wurde die erste evangelische Predigt in Bremen gehalten. Das wird in den kommenden Wochen groß gefeiert.

Bremen. Vom „Predigt-Battle“ über ein Mittelalterfest bis zur Kirmesmusik: Die Bremische Evangelische Kirche feiert im Oktober und im November mit einem vielfältigen Programm aus rund 100 Veranstaltungen unter dem Motto „Freiraum“ die erste evangelische Predigt, die vor 500 Jahren in der Hansestadt gehalten wurde. Dazu war der mit Martin Luther befreundete Geistliche Heinrich von Zütphen (1488-1524) an die Weser gekommen. Er hielt die Predigt am 9. November 1522 in der Bremer St.-Ansgarii-Kirche.

Das sei der Startschuss für die Reformation an der Weser gewesen, schreiben Kirchenpräsidentin Edda Boss und Bremens leitender Theologe Bernd Kuschnerus im Vorwort des Festprogramms. Die Kirche wolle mit den Angeboten ein großes reformatorisches Thema aufgreifen, die Freiheit des Glaubens, Denkens und Lebens.

Kirmeswelt am Reformationstag

Geplant sind neben rund 40 besonderen Gottesdiensten im gesamten Stadtgebiet unter anderem spirituelle Angebote, Vorträge, Musik, Diskussionen und Ausstellungen. Höhepunkte sind am Reformationstag am 31. Oktober unter anderem eine „Kirmeswelt“ im vom Stühlen und Bänken befreiten St.-Petri-Dom sowie die Aktion „selig schaukeln, hoffen, lieben“ in der Stadtkirche Unser Lieben Frauen. Dabei können Besucherinnen und Besucher von 16 bis 20.30 im vom Lichtkünstler Mario Haunhorst stimmungsvoll ausgeleuchteten Kirchenschiff sich auf zwei Schaukeln körperlich und seelisch buchstäblich in Schwingung versetzen.

Wie im Mittelalter

Bereits am Vorabend des Reformationsfestes wird in der Kirche St. Ansgarii um 17 Uhr das „Zütphen-Oratorium“ des Komponisten Keno Hankel uraufgeführt, das das Leben und Wirken des Bremer Reformators von Züthpen beleuchtet. Zu den weiteren Höhepunkten zählen ein Mittelalterfest in der St.-Ansgarii-Kirche am 5. November und ein „Predigt-Battle“ mit jeweils vierminütigen Beiträgen am 9. November. Eingeladen dazu sind alle, die nicht als Pastor oder Pastorin arbeiten.

1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte. Unterstützt von Bremens Bürgermeister Daniel von Büren (1460-1541) nahm die Reformation dann ab 1522 auch in der Hansestadt ihren Lauf. (epd)