Blitzsymbol und Schlangentanz

Der Hamburger Aby Warburg brachte die Stücke Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Südwesten der USA mit. Die Ausstellung setzt sich mit der Reise auch kritisch auseinander.

Die Kunst der Pueblo-Gemeinschaften zeigt das Museum am Rothenbaum in Hamburg
Die Kunst der Pueblo-Gemeinschaften zeigt das Museum am Rothenbaum in HamburgPhilipp Reiss / epd

Hamburg. Die Kunst der Pueblo-Gemeinschaften und die Arbeit des Kunst- und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg stehen im Fokus der neuen Ausstellung „Blitzsymbol und Schlangentanz“ des Museums am Rothenbaum (MARKK). Die gezeigte Sammlung stammt größtenteils vom Hamburger Aby Warburg, der die Stücke Ende des 19. Jahrhunderts von einer Reise in den Südwesten der USA mitbrachte. Ergänzt wird die Ausstellung mit den Werken zeitgenössischer Pueblo-Künstler und Originaldokumenten aus dem Warburg Institute London. Die Ausstellung ist bis zum 8. Januar 2023 im MARKK zu sehen.

Der Bankierssohn Warburg gilt als Begründer der modernen, kulturwissenschaftlich orientierten Kunstgeschichte. „Als er 1895 in den Südwesten der USA aufbrach, wusste er noch nicht, dass sie eines der wegweisenden Ereignisse der Wissenschaftsgeschichte seines Faches werden sollte“, sagte Uwe Fleckner, Co-Kurator der Ausstellung und Professor am kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Warburg habe bei seiner Betrachtung der Symbolik der Pueblo-Kultur die Grenzen seines Faches überschritten und sei mit seinem Kulturvergleich und der transkulturellen Herangehensweise immer noch aktuell.

Nicht immer angemessen verhalten

Zu sehen sind in der Ausstellung unter anderem Kunst-, Zeremonial- und Alltagsstände wie Tongefäße und Körbe, die Warburg schon 1902 dem MARKK schenkte. Zum ersten Mal werden sie in vollem Umfang gezeigt. „Die Sammlung ist ein frühes Zeugnis von einem Kunstverständnis, das andere Wissenstraditionen anerkennt und respektiert“, sagte Barbara Plankensteiner, Direktorin des Museums. Manche Verhaltensweisen Warburgs vor Ort seien aber bedenklich gewesen. „Warburg hat sich auf seiner Reise nicht immer angemessen verhalten, beging Tabubrüche und überschritt kulturelle Grenzen“, so Fleckner. Ergänzt wird die Sammlung Warburgs deshalb um einen kritischen Blick auf die Arbeit des Kunstwissenschaftlers.

Fleckner und Christine Chávez, Kuratorin der Amerika-Abteilung im MARKK, sei es wichtig gewesen, bei der Arbeit an der Ausstellung die Perspektive der Pueblo im Blick zu haben, so Fleckner. Dafür haben sie mit Vertretern der Pueblo-Gemeinschaften zusammengearbeitet. Einige Stücke der Sammlung sind deswegen nicht zu sehen. Sie zeigen religiöses Wissen, das in der Kultur der Pueblo nicht jedem zugänglich sein soll. Diese Stücke sind in der Ausstellung als „visuelle Leerstellen“ dargestellt. Bilder zeigen nur weiße Umrisse, Gegenstände werden nur in ihren Umrissen angedeutet, als weiße Nachbildung gezeigt. „Wir wissen, dass einige der Bilder hundertfach im Internet zu finden sind, wollen aber zeigen, dass es eine andere Auffassung gibt, wenn es um die Verbreitung dieser kultursensiblen Bilder geht“, sagt Chávez. (epd)