Sparen in allen Bereichen – wegen sinkender Kirchensteuereinnahmen muss das Bistum Essen die Kosten drücken. Das wird auch Pfarreien im Ruhrgebiet und Sauerland treffen.
Viele katholische Pfarreien im Ruhrgebiet werden künftig mit weniger Geld auskommen müssen. Das Bistum Essen kündigte am Donnerstag an, ab 2027 bis 2038 schrittweise rund 50 Millionen Euro einzusparen. Alle finanziellen Zusagen an kirchliche Träger würden auf den Prüfstand gestellt – “einschließlich der Höhe der Zuweisungen an die Pfarreien”. Zudem würden Pfarreien weiter zusammengeführt und katholische Trägerorganisationen zu Netzwerken miteinander verbunden.
Auch beim Personal will das Bistum sparen, wobei es laut Mitteilung keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Jedoch soll kritisch geprüft werden, ob freie Stellen wiederbesetzt werden. Hier verspricht sich die Diözese bereits in diesem und im kommenden Jahr Einsparungen. Aufgaben sollen gebündelt und Prozesse optimiert werden, um weiter Personalkosten zu senken.
Auch die bereits beschlossene Strukturveränderung der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung (KEFB) werde Einsparungen bringen. Das Bistum kündigte an, jeden neuen Aufwand ab sofort nur noch zu tätigen, wenn die Kosten an anderer Stelle ausgeglichen würden.
Das Bistum Essen verfügt laut aktuellstem Finanzbericht von 2023 über ein Eigenkapital von 354 Millionen Euro. Damals erzielte es einen Gewinn von 63 Millionen Euro – allerdings wegen Einmaleffekten. Zu schaffen machen dem Ruhrbistum laut Mitteilung allgemeine Kostensteigerungen und sinkende Kirchensteuereinnahmen aufgrund des Mitgliederschwunds.
Generalvikar Klaus Pfeffer zeichnete ein drastisches Bild. “Es geht dabei nicht mehr darum, mit ein paar Einsparungen die kirchliche Lage zu verbessern, vielmehr müssen wir unsere Kirche ganz neu, und vor allem auch anders, gestalten”, sagte er und verwies auf das bereits gestartete Entwicklungsprogramm “Christlich leben. Mittendrin”. Die künftigen Einsparungen würden alle Bereiche des Bistums betreffen.
Finanz-Chefin Mechthild Lütke Kleimann betonte, der Engpass sei nicht vorübergehend: “Wir müssen eine dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung verhindern.”
Das 1958 gegründete Bistum Essen umfasst Teile des Ruhrgebiets und des Sauerlands. Rund 620.000 Katholikinnen und Katholiken leben hier. In den Anfangsjahren waren es der Diözese zufolge mehr als doppelt so viele. “In den Nachkriegsjahren war in Deutschland die Mitgliedschaft in einer der beiden großen Kirchen noch relativ selbstverständlich, aber seit den 1960er Jahren hat sich dies in einer rasenden Geschwindigkeit völlig verändert”, erklärte Generalvikar Pfeffer.
Die jetzige Situation komme nicht überraschend. Deshalb seien bereits Kirchen, Gemeindeheime und andere kirchliche Immobilien aufgegeben worden. Die Diözese habe etwa das Kardinal-Hengsbach-Haus verkauft und die Städte Duisburg und Essen als Partner bei der Finanzierung seiner Schulen gewonnen. Das Bistum rechnet auch in den kommenden Jahren mit deutlich geringeren Kirchensteuereinnahmen. In den kommenden Monaten sollen weitere Einsparmaßnahmen erarbeitet werden.