Bischof Meister: Mit Nüchternheit ins Wahljahr 2017

Der Theologe bleibt optimistisch: Mehrheit steht fest zur Demokratie, sagt er.

Landesbischof Ralf Meister
Landesbischof Ralf Meisterepd

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat für das Wahljahr 2017 dazu aufgerufen, Nüchternheit und Gelassenheit zu bewahren. "Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir in einen Populismus abgleiten, in dem allgemeine Gewissheiten durch Verdächtigungen und Lügen erschüttert werden", sagte der Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sei trotz aller Skandalisierungen im vergangenen Jahr von Grund auf optimistisch, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen fest zur Demokratie stehe, sagte Meister. "Auch wenn wir im rechten oder linken Spektrum politische Ausreißer haben, die auch mal zweistellig werden können, bleibt die Stabilität unserer Staatsform bestehen."
Diese Stabilität sei jedoch nur dann gewährleistet, wenn Parteien, Verbände und Vereine immer wieder klar für Demokratie einträten, betonte der Bischof. Zurzeit sei zwar weltweit eine kritische politische Entwicklung zu beobachten, doch die dürfe nicht zu "einem apokalyptischen Szenario der Hoffnungslosigkeit" gemacht werden. "Wir müssen noch deutlicher die Allianzen zeigen, die sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen."

Kirche als gesellschaftlicher Akteur

Zu den wichtigen zivilgesellschaftlichen Akteuren gehöre auch die Kirche. Sie müsse sich daran gewöhnen, als ein Partner unter vielen anderen auch wechselnde Bündnisse einzugehen. Das könnten sowohl andere Verbände sein als auch der Staat, Nichtregierungsorganisationen oder Spontan-Initiativen. Wesentlich sei dabei, verbindlich und verlässlich zu bleiben, sagte Meister. "Wir müssen das, was wir versprechen, auch tun und können nicht morgen behaupten, wir hätten es uns anders überlegt."
Seit kurzem sammele die hannoversche Landeskirche als größte Mitgliedskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Erfahrungen in sogenannten Dialog-Foren. "Wir führen zum Beispiel auf Wochenmärkten offene Gespräche mit Menschen, die nicht in unsere Gottesdienste kommen, sondern sich eher kritisch zur Gesellschaft verhalten und nach Orientierung suchen." Die bisherigen Begegnungen waren Meister zufolge sehr positiv, weil es trotz unterschiedlicher Auffassungen wie etwa in der Flüchtlingsfrage möglich war, konstruktiv miteinander zu reden.
"Die Kirche agiert eben nicht für die Kirche, sondern für das Gemeinwohl und das soziale Miteinander in unserem Land", unterstrich der Bischof. Pastoren und andere kirchliche Mitarbeiter müssten sich in ihrer täglichen Arbeit immer wieder fragen, was sie für ihr Dorf oder ihren Stadtteil tun könnten. "Und da ist es dann auch wichtig, das Geld nicht nur für die Renovierung der Orgel zu sammeln, sondern auch für das Familienzentrum oder irgendeine andere soziale Initiative, die das ganze Dorf haben will." (epd)