Deutliche Worte aus der Kirche: Die EKD-Ratsvorsitzende wirft Putin und Trump ein falsches Verständnis des Christentums vor. Zum Krieg in der Ukraine muss sie aber auch ein ethisches Dilemma bekennen.
Die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland hat die Präsidenten von Russland und den USA, Wladimir Putin und Donald Trump, scharf kritisiert. “Ich sehe, dass sie das Christliche für sich beanspruchen, erkenne es in ihrem Verhalten aber nicht”, sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs im Interview der “Kölnischen Rundschau”. “Wenn Autokraten menschenverachtende Taten begehen und die christliche Friedensethik ignorieren, verbiegen sie das Evangelium zu einer bloßen Herrschaftsideologie.”
Unter anderem mit Blick auf die Ukraine sagte Fehrs: “Gerechten Frieden kann es nur geben, wenn Menschen erstens in einer freien, zweitens in einer gerechten und drittens in einer pluralen Gesellschaft leben.” Das Prinzip der Gewaltlosigkeit Jesu stehe zwar außer Frage. “Zugleich müssen wir im Sinne der Nächstenliebe Menschen schützen, denen völkerrechtswidrig Gewalt angetan wird. Das heißt, dass rechtserhaltende Gewalt als letztes Mittel erforderlich werden kann.”
Atomwaffen gehörten zwar weltweit abgeschafft. Zugleich erkenne die neue EKD-Friedensdenkschrift ein “ethisches Dilemma” an: “Wenn ein vollständiger Verzicht einen Aggressor zum Angriff ermutigt, wäre das politisch unverantwortlich.”