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Bischöfin: Christen im Heiligen Land hoffen auf friedliche Zukunft

Die badische evangelische Bischöfin Heike Springhart war zu Gesprächen in Israel und Palästina unterwegs. Sie kommt mit bedrückenden und hoffnungsvollen Erlebnissen zurück. Und einem Appell.

Hoffnung auf ein friedliches, gerechtes Miteinander – und gleichzeitige Unsicherheit und Angst um die Zukunft der christlichen Gemeinden in den Palästinensergebieten. So fasst die evangelische Bischöfin in Baden, Heike Springhart, die Eindrücke und Begegnungen ihrer jüngsten Reise nach Jerusalem und Bethlehem zusammen. “Arabische Christen in Bethlehem haben mir eindrücklich beschrieben, wie schwierig ihr Alltag ist, etwa weil kaum Touristen kommen und sie ihre Produkte nicht verkaufen”, sagte Springhart der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Karlsruhe.

“Auch leiden viele Palästinenser unter den scharfen Kontrollen an den israelischen Checkpoints. Viele sorgen sich, ob sich die Konflikte um Land durch den israelischen Siedlungsbau weiter verschärfen”, so Springhart. Ein Gesprächspartner aus der arabischen christlichen Gemeinde habe ihr berichtet, die israelischen Behörden wollten ihm nur dann seine Erlaubnis zum Grenzübertritt verlängern, wenn er auf israelkritische Posts bei Instagram verzichte.

Gleichzeitig habe sie bei ihrer Reise gespürt, dass die nach lokalen Angaben rund 165.000 Christen im Heiligen Land nicht die Hoffnung auf eine gute Zukunft aufgegeben haben. “Ich habe nicht nur Verbitterung oder Resignation gespürt, sondern eben auch die vom christlichen Glauben getragene Hoffnung auf eine bessere, menschenwürdige Zukunft.” Ihre Gesprächspartnerinnen aus Kirchen und zivilgesellschaftlichen Initiativen hätten wiederholt betont, dass Hass und Terror keine Zukunft haben dürften.

Anlass der sechstägigen Reise war die Verabschiedung von Bischof Ibrahim Azar und der Amtsantritt des neuen evangelisch-lutherischen Bischofs in Jordanien und im Heiligen Land, Imad Mousa Haddad. Zu der Kirche gehören rund 2.000 Christen und Christinnen. Springhart tauschte sich auch mit Mitarbeiterinnen von Frauen- und Sozialprojekten in den Palästinensergebieten aus. Gespräche gab es mit der deutschen Botschaft in Tel Aviv.

Die Bischöfin beschrieb eine im Vergleich zu ihrem vorausgegangenen Besuch in Israel vor einem Jahr etwas entspanntere Stimmung nach Ende des Gazakriegs. “Ich habe mich immer sicher gefühlt. Bei Sicherheitskontrollen wurden wir sehr freundlich behandelt. Auch ein Besuch des Tempelbergs war ohne Probleme möglich.”

Zuletzt hatte das staatliche Tourismusbüro Israels um Besuchergruppen geworben und von wieder steigenden Touristenzahlen gesprochen. Bischöfin Springhart betonte, sie habe in Jerusalem deutlich mehr Touristen als vor einem Jahr wahrgenommen, aber noch immer viel weniger als vor dem Krieg. “In Bethlehem haben mir Verkäufer von Olivenholzschnitzereien berichtet, dass noch immer kaum Touristen kommen. Auch in der Geburtskirche waren nur wenige Besuchergruppen unterwegs.” Gerade aus Deutschland gebe es noch eine große Zurückhaltung. “Ich meine, dass es wichtig und richtig ist, wieder nach Israel und Palästina zu reisen. Nicht zuletzt, um den Menschen, die dort auf allen Seiten von den Einnahmen durch den Tourismus leben, wieder eine Perspektive zu geben.”

In einer früheren Version haben wir geschrieben, die deutsche Botschaft sei in Jerusalem. Wir haben die Stelle korrigiert.