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Besucherrekord und Ausblick bei Museum Frieder Burda

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden verzeichnet mit 125.000 Besuchern im Jahr 2025 einen Besucherrekord. Maßgeblich dazu beigetragen habe die aktuelle Impressionismus-Ausstellung, sagte Floria Trott bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Die Schau sei bereits jetzt eine „Erfolgsgeschichte“, sagte der kaufmännische Direktor des Museums dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Er erwarte, dass am Ende rund 85.000 Besucher die Schau „Impressionismus in Deutschland. Max Liebermann und seine Zeit“ besucht haben werden. Sie läuft noch bis 8. Februar. Der Zuspruch zeige sich auch an den gebuchten Führungen, die sich verzehnfacht hätten, so Trott. „Die Ausstellung wirkt in die Breite. Es kommen Gruppen von Volkshochschulen, Altenheimen, Kunstvereinen bis zu klassischen Reisegruppen“.

Nachfolge-Ausstellung wird die Schau „Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus“, die vom 28. Februar bis 2. August zu sehen ist. In der Kunst des 20. Jahrhunderts gebe es keine Bewegung, die diesen Wettstreit mit der Wirklichkeit so programmatisch verfolgt habe wie der amerikanische Fotorealismus, sagte der künstlerische Direktor des Museums, Daniel Zamani.

Als Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus wandten sich Künstlerinnen und Künstler wie Richard Estes, Audrey Flack, Ralph Goings und Ron Kleemann einer gegenständlichen Malerei zu, die in ihrer Genauigkeit und Ausdruckskraft mit der Fotografie konkurrieren sollte. Markenzeichen der Malerinnen und Maler wurden banale Motive aus dem amerikanischen Alltagsleben: das Auto als Symbol für den „American Dream“, die Neuausrichtung von Stillleben, Amerika selbst als kulturelles Sinnbild.

Anhand von über 90 ausgewählten Werken von mehr als 30 Künstlerinnen und Künstlern beleuchtet die Ausstellung die Entwicklung der auch als Hyperrealismus bekannten Kunstströmung von den 1960er Jahren bis heute. Im Erdgeschoss seien die „Amerikaner der ersten Stunde“ zu sehen, sagte Zamani, die „Internationalisierung des Fotorealismus“ werde dann im Obergeschoss gezeigt.

„Hier sehen wir digital nachbearbeitete, gemalte Bilder, auf denen kein Pinselstrich mehr zu sehen ist“, führte der Kunsthistoriker aus. Ebenfalls ausgestellt werden mehrere übereinander gelegte Bilder, die einen gefakten Eindruck der Wirklichkeit vermitteln. Es sind virtuelle Darstellungen, die – ähnlich mit Künstlicher Intelligenz generierten Bildern – die Unschärfen des menschlichen Auges ausblenden.

Unter dem Titel „Entfaltung der Farbe. Simon Hantaï“ zeigt das Burda-Museum anschließend vom 15. August 2026 bis 10. Januar 2027 Bilder des ungarischen Künstlers. Simon Hantaï (1922-2008) gehört zu den wichtigsten Vertretern der internationalen Nachkriegsmoderne. 1948 emigrierte er nach Paris, wo er zunächst von den Surrealisten um André Breton (1896-1966) beeinflusst wurde.

Ab 1960 konzentriert sich Hantaï auf die experimentelle Erforschung einer von ihm entwickelten Falttechnik. In der „pliage comme méthode“ bedeckte er die gefaltete Leinwand mit Öl- oder Acrylfarbe, um farbig leuchtende Zufallsmuster zu erzeugen. Mit mehr als 40 bedeutenden Werken aus vier Jahrzehnten gibt die Ausstellung einen Überblick über das Schaffen Hantaïs.

„Es ist nach 1999 in Münster die erste große Hantaï-Ausstellung in Deutschland, die wir zeigen“, sagte Zamani. Auch im kommenden Jahr, so der Ausblick, widmet sich das Museum Frieder Burda einer aus Amerika kommenden Kunstrichtung: „Europa im Pop-Fieber. Von Erró bis Sigmar Polke“ heißt die für 2027 geplante Schau. „Obwohl der Begriff Pop in erster Linie mit der amerikanischen Nachkriegsmalerei in Verbindung gebracht wird, beschäftigten sich zahlreiche europäische Avantgardekünstler zur gleichen Zeit mit den gleichen Themen“, sagte Zamani.

Wie ihre amerikanischen Vorbilder untersuchten sie die Beziehung zwischen Kunst und Konsum, griffen auf die Bildwelten von Mode, Werbung und Unterhaltung zurück oder hinterfragten die sich wandelnden Rollenbilder der Frau zwischen Pin-up und Emanzipation. „Pop war die Bildsprache der 68-Generation“, erklärte der Museumsdirektor. Viele Bilder sind eine kritische Anspielung auf ein apolitisches, vergnügungssüchtiges Alltagsleben während kriegerischer Auseinandersetzungen. Insgesamt versammelt die Schau mehr als 70 Werke von über 20 Künstlerinnen und Künstlern. (0090/14.01.2026)