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Berühren erwünscht

Zu einer interaktiven Tastausstellung lädt das Lehmbruck Museum in Duisburg ab Sonntag bis zum 1. September ein. In der Schau „Shape! Körper + Form begreifen“ gilt für einige Skulpturen mehrerer Künstler des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Museums ausdrücklich „Berühren erwünscht“. Der Zugang über die Berührung biete ein umfassendes Verständnis der Bildhauerei, sagte Museumsleiterin Söke Dinkla am Freitag. Die Konturen einer Skulptur, die Verbindungen und Größenverhältnisse eines Körpers, könne der Tastsinn weit besser erkennen als das Auge.

In einem abgedunkelten Raum ist eine lebensgroße, liegende Plastik einer Frauenfigur zu ertasten. Dabei bekommen Besucherinnen und Besucher eine Ahnung davon, wie ein Kunstwerk wirkt, wenn es gar nicht zu sehen, sondern ausschließlich mit den Händen begreifen ist.

Andere Werke können dagegen sowohl betrachtet als auch angefasst werden. Dafür seien kleinere Skulpturen ausgewählt worden, weil sie den ungewohnten Sinneseindruck des Tastens besser vermitteln, erläuterte Dinkla. Da die Säure der Haut die Kunstwerke beschädigen würde, stellt das Museum für das Tasterlebnis Baumwollhandschuhe zur Verfügung.

Die Ausstellung „Shape“ bezieht darüber hinaus auch Erfahrungen mit dem eigenen Körper ein und richtet sich damit ausdrücklich an Jugendliche. In einem Schwarzlichtraum können sie mithilfe von fluoreszierenden Bodypaintings die Konturen ihrer Gestalt verändern oder ein anderes Geschlecht wählen.

„Wer wollte sich nicht schon einmal in seinem Wunschkörper erleben?“ sagte Kuratorin Sybille Kastner. Hier sei das möglich. In leuchtenden Streifen erscheint dann eine neue Figur in der schwarzen Umgebung. Für Tänze, Bewegung, Choreografien steht auch eine Schwarzlicht-Bühne zur Verfügung.

Die Ausstellung „Shape“ ist im 60. Jahr des Lehmbruck Museums Teil des Jugendprojekts „Mach Dein Ding“, das sowohl Interesse an Kunst als auch an Sprache und Selbstwahrnehmung vermitteln will.

Kunst zum Anfassen gibt es im Lehmbruck Museum nicht nur in der aktuellen Ausstellung. Für Menschen mit Sehbehinderung bietet das Museum regelmäßig spezielle Führungen an, bei denen auch Werke des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), dem Namensgeber des Museums, betastet werden dürfen, wie Kastner erläuterte.

Der Ansatz, Skulpturen auch über Berührung zu „begreifen“, scheint im Trend zu liegen. Am 22. Februar startet im Düsseldorfer Kunstpalast die nächste Tastausstellung. In der Schau „Tony Cragg. Please touch!“ können Werke des britischen Bildhauers betastet werden.