Die niedersächsische KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen registriert seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 in ihrem Gästebuch deutlich häufiger Kommentare, die gegen Israel gerichtet sind. Auch aus Besuchergruppen, vor allem von Jugendlichen, kämen häufiger Kommentare, die antiisraelisch oder antisemitisch seien, sagte Sprecherin Stephanie Billib dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bundesweit nahmen in vielen NS-Gedenkstätten Störungen und antisemitische Vorfälle ebenfalls zu, wie eine epd-Umfrage ergab.
Bei drei rechtsmotivierten Vorfällen habe die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten im vergangenen Jahr Strafanzeige erstattet, erläuterte Billib. In Bergen-Belsen habe ein Schüler in einer Ausstellung den Hitlergruß gezeigt. In der ebenfalls zur Stiftung gehörenden Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel wurde der „Kubus der Erinnerung“ auf einem Friedhof durch Einritzen eines Hakenkreuzes beschädigt, wie die Sprecherin erläuterte. Zudem habe die Gedenkstättenleiterin und Stiftungs-Geschäftsführerin Elke Gryglewski einen Brief mit Verschwörungsinhalten und persönlicher Bedrohung erhalten.
#Besucherzahlen sinken leicht
Diese Vorfälle wurden durch Gedenkstätten-Mitarbeiter angezeigt. Bei Führungen von Schülergruppen werde bei ähnlichen Vorfällen zunächst abgewogen, ob ebenso verfahren wird. „Als Lernort ist es uns wichtig, gerade bei Schülerinnen und Schülern Hintergründe für ein Handeln zu verstehen und in einen Austausch darüber zu kommen.“
Mit Blick auf die Besucherzahlen verzeichnete die Gedenkstätte im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang. Hochrechnungen zufolge kamen rund 205.000 Menschen in die Ausstellungen und auf das Gelände des früheren Lagers. Im Vorjahr waren es Billib zufolge noch rund 210.000. Grund für den Rückgang könnten Bauarbeiten sein. Seit dem Sommer wird der Verwaltungstrakt der Gedenkstätte saniert. Dort finden deshalb keine Sonderausstellungen statt.