Bayerische Landeskirche will bis 2045 klimaneutral werden

Die bayerische Landeskirche will bis 2045 klimaneutral werden – und bereits bis zum Jahr 2035 ihre Treibhausgasemissionen um 90 Prozent reduzieren. Oberkirchenrat Florian Baier sagte am Dienstag bei der Einbringung des Klimaschutzgesetzes vor der in Coburg tagenden Landessynode: „Wir wissen, dass diese Ziele ambitioniert sind.“ Aber nur durch ein ambitioniertes Vorgehen werde man es schaffen, auch wirksame Maßnahmen bei den Themen Klimaschutz und Klimafolgekosten für die Kirche zu ergreifen.

Zentraler Bestandteil des Gesetzentwurfes ist ein sogenannter Klimaschutzfahrplan. Denn das Gesetz selbst enthalte „nur wenige Regelungen zu konkreten Maßnahmen“. Der Fahrplan richte sich an alle landeskirchlichen Ebenen. Er sei ein „Werkzeug für die strategische Planung“, er werde „alle drei Jahre vom Landeskirchenrat vorgelegt und von der Landessynode beschlossen“. Damit sei man „technologieoffen“ und könne bei Bedarf die Maßnahmen zum Erreichen der Klimaschutzziele anpassen – indem man neue Technik empfehle.

Bereits am Dienstagmorgen hatte der Augsburger Klimaforscher Harald Kunstmann den Gesetzesentwurf als „tatsächlich sehr ambitioniert“ bezeichnet. Es sei unter anderem deshalb ein guter Gesetzentwurf, weil er mit dem Fahrplan konkrete Wegmarken beinhalte, sagte der Professor für Hydrologie und regionales Klima an der Uni Augsburg in seinem Impulsvortrag. Das Kirchenparlament der Evangelischen in Bayern hat bei seiner aktuellen Frühjahrstagung Klima als ein Schwerpunktthema.

Kunstmann sagte, er halte die Einhaltung einer maximalen Erderwärmung von 1,5 Grad für inzwischen sehr unrealistisch: „Aber das alleine ist kein Weltuntergang.“ Gleichwohl lohne es sich, um die Vermeidung jeder Tonne CO2 zu kämpfen und jede weitere Erderwärmung zu verhindern. Sollte die Erderwärmung am Ende 2,0 statt 1,5 Grad betragen, würde dies für Millionen Menschen mehr städtische Wasserknappheit, ein Korallen- und Insektensterben sowie mehr Dürre und damit unsichere Nahrungsversorgung bedeuten.

Der Klimaforscher betonte die biblische Verantwortung der Kirchen beim Klimaschutz. Die Kirchen seien – inklusive ihrer Sozialwerke – der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland. Alleine die evangelische Kirche in Bayern und die Diakonie hätten deutlich mehr Beschäftigte als beispielsweise Audi. Kunstmann verwies darauf, dass „Klimawissenschaft keine Glaubenssache“, sondern Physik sei. Man wisse seit vielen Dekaden, wie das Treibhausgas CO2 wirke. Deshalb seien neue Klimaschutzgesetze wie das der Landeskirche wichtig.

Oberkirchenrat Stefan Blumtritt sagte zur Einführung am Klima-Thementag, dass sich die Landeskirche schon seit 15 Jahren intensiv mit dem Thema beschäftige. Trotzdem beteiligten sich derzeit nur etwa 200 der mehr als 1.500 evangelischen Kirchengemeinden in Bayern am Umweltmanagement-Programm „Grüner Gockel“. Er setze auf ein „ambitioniertes und angemessenes Klimaschutzgesetz“, sagte Blumtritt. Der Gesetzesentwurf, über den die Synode der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) nun beraten wird, leiste dies. (00/1296/23.04.2024)