Artikel teilen:

Ausstellung zeigt Umgang mit NS-Vergangenheit

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main zeigt mit der Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ den wechselvollen Umgang mit dem Nationalsozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus der NS-Zeit zu lernen bedeute, sowohl über die Diktatur und ihren Unterdrückungs- und Vernichtungsapparat zu sprechen, als auch über die Anfänge und Folgen, sagte Museumsdirektorin Annabelle Hornung. Die Ausstellung zeige, wie sich das Schweigen der meisten Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und das Verdrängen eigener Verantwortung in den nachfolgenden Generationen langsam veränderte.

Das kollektive Schweigen in den 1940er und 1950er Jahre ist in der Ausstellung des Schulmuseums der Universität Erlangen-Nürnberg ebenso thematisiert wie die spätere Strafverfolgung der NS-Täter und der Umgang mit Überlebenden. An der Entwicklung der Ausstellung waren Jugendliche aus vier Bundesländern beteiligt, darunter auch aus Frankfurt.

„Wir haben versucht, so nah wie möglich an den Lebensalltag von Jugendlichen heranzurücken, um ihr Interesse zu gewinnen“, erklärte Mathias Rösch, Leiter des Schulmuseums und Kurator der Ausstellung. Die Ausstellung erzähle daher aus der Perspektive von zeitgenössischen Jugendlichen vor 80 Jahren ebenso wie vor zehn Jahren.

Die in acht Stationen untergliederte Ausstellung nimmt immer wieder einzelne Personen in den Blick. Am Beispiel eines Albums der Familie Hoffmann zeigt die Schau das Leben des Sohnes Karl, der 1944 an der Front gefallen ist. Das Album enthält „herzergreifende Muttertagsgedichte“, erzählt Rösch. Gleichzeitig zeigen die Feldpostbriefe, dass er als Panzerfahrer Spaß an der Vernichtung russischer Dörfer hatte. Der junge Mann sei beides gewesen, liebender Sohn und Täter.

Der Krieg wäre ohne die Masse der Wehrmachtsoldaten nicht möglich gewesen, betonte Rösch. Das Verdrängen dieser Verantwortung habe auch dazu geführt, dass etwa die Mutter von Karl Hoffmann nicht über ihre Trauer sprechen konnte und „tiefe Not gelitten“ hätte.

Die Wanderausstellung war zuerst in Berlin zu sehen, in Frankfurt ist sie bis 26. Juli zu sehen.