Das Schicksal von wohnungslosen Menschen im Nationalsozialismus steht im Fokus einer Ausstellung in Göttingen. Damit solle eine oft übersehende Periode in der Geschichte der Wohnungslosenhilfe aufgearbeitet und das gegenwärtige gesellschaftliche Bewusstsein geschärft werden, teilten die Initiatoren vom Verein Zwangsarbeit in Südniedersachsen am Dienstag mit. Die Sonderausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ ist vom 11. Januar bis zum 2. Februar in den Räumen der Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945“ zu sehen.
Wie viele Menschen als sogenannte Bettler, Landstreicher oder Nichtsesshafte in Konzentrationslager gesperrt wurden, sei bis heute unbekannt, hieß es. Schätzungen zufolge seien etwa 70.000 Menschen als „asozial“ oder als „Berufsverbrecher“ stigmatisiert, deportiert und ermordet worden. Im gesamten Deutschen Reich seien im September 1933 bei Razzien zahlreiche Wohnungslose verhaftet worden. Damit habe die Verfolgung dieser Gruppe begonnen.
Die Ausstellung thematisiere neben dieser „Bettlerrazzia“ auch die Weltwirtschaftskrise, beschreibe die Arbeitshäuser und die damaligen Praktiken von „Rassenhygiene“ und Zwangssterilisation. Beleuchtet werde auch die Verantwortung der sogenannten Wandererfürsorge für arbeitslose Männer, die von traditionellen Wohlfahrtsverbänden wie der Diakonie getragen wurde. Männer ohne festen Wohnsitz wurden verhaftet und in Heimen untergebracht, wo sie zur Arbeit gezwungen wurden, um sie zu disziplinieren. Im Zuge zunehmender Radikalisierung wurden Menschen massenhaft verhaftet und in Konzentrationslager deportiert.