Landeskirchen in Hannover rund Braunschweig wollen Prozesse neu organisieren

Auf in die Zukunft

Weniger Mitglieder, weniger Geld: Wie sollen die Kirchen darauf reagieren? Die Landeskirchen in Hannover und Braunschweig gehen diese Aufgabe an. Es geht um neue Arbeitsweisen und Kirchenstrukturen – und um Sorge vor Veränderung.

Hanns-Stephan Haas (2.v.l.) leitet das Team, das den Zukunftsprozess der Landeskirche Hannovers steuert

von Sven Kriszio

Hannover/Braunschweig. Dem Prozessteam rund um Hanns-Stephan Haas will es die Landeskirche Hannovers möglichst leicht machen. „Es gibt keine Ziel- oder Sparvorgaben“, sagt der Theologe und Ökonom. „Wir sollen über sinnvolle Veränderungen nachdenken und zukunftsfähige Ideen­ finden.“ Was zunächst harmlos klingt, wird allerdings in ein paar Jahren zu einem grundlegenden Wandel in der Institution Kirche mit ihren mehr als 1200 Gemeinden beitragen. Sinkende Mitgliederzahlen und rückläufige Finanzen stellen deren Arbeitsweisen und Strukturen schon lange auf den Prüfstand.

Drei Millionen Euro hat die Landeskirche Hannovers deswegen auf ihrer Synode im November für die Gestaltung dieses Prozesses bis 2024 veranschlagt, den seit Kurzem ein professionelles Team steuert. Viereinhalb Vollzeitstellen umfasst es, darunter Kommunikations- und Beteiligungsexperten. Dessen Leiter Haas war zuvor Direktor der Bundesakademie für Kirche und Diakonie in Berlin und Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Bisher habe keine seiner beruflichen Aufgaben eine solche Weite abgedeckt, sagt Haas. „Es ist die komplexeste Aufgabe meines Lebens.“

Umdenken erkannt

Der finanzielle Aufwand ist nicht nur der Größe der Aufgabe geschuldet, sondern auch der Sorge, dass manche Beteiligten ausscheren könnten. Doch will Haas ein Umdenken ausgemacht haben: „Die meisten unserer Gesprächspartner erzählen, was sie verändern wollen. Es ist angekommen, dass sich die Rahmenbedingungen so schnell ändern, dass wir handeln müssen.“

Ein Netzwerk von Ideen

Ein weiteres Problem sind auch die zahlreichen einzelnen „Zukunftsprozesse“ in den Kirchenregionen. Die Aufgabe von Haas und seinem Team wird es sein, sie einzubinden. Dazu soll ein Netzwerk von Ideen und Multiplikatoren entstehen. Haas spricht davon, wie ein „Trüffelhund“ gute Ideen zu sammeln und digital zugänglich zu machen. „Aus der Schatztruhe soll eine schön geordnete Vitrine werden.“

Wie schwierig es ist, von der Ideen-Sammlung zu einem Gesamt-Konzept kirchlicher Arbeit zu gelangen, musste die Landeskirche in Braunschweig mit ihren 300 Gemeinden etappenweise lernen.

Bislang mit Bordmitteln bestritten

Die Landeskirche hat einen Zukunftsprozess gestartet, als vor Jahren Pfarrstellen gestrichen werden sollten. Es hatte sich Streit über die Kriterien entzündet. „Allen wurde klar, dass wir eine grundlegende Konzeption brauchten“, sagt Kirchensprecher Michael Strauß. Ein strategisches Papier zur Zukunft der Kirche entstand, eine Lenkungsgruppe wurde ins Leben gerufen und ein Beteiligungsprozess gestartet. Doch es gab Kritik an dem Verfahren, sodass es seit 2020 kontinuierlich weiterentwickelt worden ist. „Die Kirchenmusiker fühlten sich übergangen, auch die Ehrenamtlichen und Jugendlichen. Wir mussten nachjustieren“, so Strauß.

Ein weiteres Problem sei die Umsetzung gewesen: „Wie wandeln wir die Beteiligung in konkrete Ergebnisse um? Der Zukunftsprozess soll ja nicht Kunst um der Kunst willen sein.“ Deswegen soll auch in Braunschweig, wo der Zukunftsprozess bisher mit „Bordmitteln“ bestritten wurde, demnächst die Stelle eines Projektmanagers besetzt werden, kündigt der Kirchensprecher an.

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