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Arte schaut zum 250. Geburtstag auf den Multimedia-Star Jane Austen

Jane Austen fasziniert bis heute, zumal zum 250. Geburtstag. Bei Arte läuft im Festtagsprogramm zu Weihnachten eine interessante Dokumentation über die weltberühmte Britin.

Nur romantische Liebesgeschichten – wer damit die Romane von Jane Austen abklassifizieren will, hat die Bücher vermutlich selbst nie gelesen. Fans einer weltweiten Community hat sie jedenfalls auch noch 250 Jahre nach ihrer Geburt. Am 16. Dezember 1775 wurde die Schriftstellerin geboren. Ihre Romane wurden bis heute weltweit millionenfach verkauft, adaptiert und verfilmt.

Am Ersten Weihnachtsfeiertag sendet Arte eine Dokumentation, die diesem Austen-Trend, aber auch dem Leben der Autorin nachspürt. Klar wird dabei, dass diese über Generationen und Länder hinweg viele Menschen – und nicht nur Frauen – fasziniert. In Großbritannien jedenfalls gehört sie neben Shakespeare zum kulturellen Erbe: Seit ein paar Jahren ziert ihr Konterfei im Profil mit Stehkragen und Haube die 10-Pfund-Note.

Austen, eine Pfarrerstochter mit vielen Geschwistern, begann bereits mit etwa zwölf Jahren zu schreiben. 1811 veröffentlichte sie ihr erstes Buch: “Verstand und Gefühl”. Zu ihren Lebzeiten war sie noch kein Star. Dass sie als Autorin tätig war – zu damaliger Zeit für eine Frau sehr unüblich – verheimlichte sie zunächst. Entsprechend erschien der Roman nicht unter ihrem Namen. Austen nutzte die Formulierung geschrieben “by a lady” (von einer Dame). 1817, mit nur 41 Jahren, starb sie; woran genau, ist bis heute unklar.

Regisseur Andre Schäfer erzählt die Geschichte von Jane Austen und ihrem Erfolg in vielen schönen Bildern, die – wie schon ihre Bücher und deren Verfilmungen – das englische Lebensgefühl ins heutige Wohnzimmer tragen und eine Ahnung vom englischen Landleben vermitteln.

Kundige Gesprächspartnerinnen verschiedener Länder werden an verschiedenen biografischen Stationen, etwa dem Haus in Chawton, wo sie die meisten Bücher schrieb, oder in Bath in Szene gesetzt, wo sie zeitweise lebte. Ein Interview in einem Café vermittelt mit Hintergrundbildern von einer englischen Teezeremonie die Atmosphäre eines britischen Sommernachmittags.

“Jane Austen ist überhaupt nicht trivial, im Gegenteil”, sagt Verlegerin Felicitas von Lovenberg, die zeitweise in Großbritannien studierte, in der Doku. Ihr sei es gelungen, “das vermeintlich Kleine ganz groß” zu machen. In den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Männern und Frauen, aber auch Geschwistern spiegele sich der ganze Mensch und auch die ganze Gesellschaft wider. Die Austen-Frauen hätten es in sich: “Alle Heldinnen können ihr Wort machen”, so von Lovenberg. Sie parierten Wortgefechte mit “Witz, Ironie, Charme und Eleganz”. Immer wieder würde auch die finanzielle Abhängigkeit von Männern thematisiert – und kritisiert.

Weltberühmte Schauspieler wie Emma Thompson, Hugh Grant und Keira Knigthley haben in den Verfilmungen mitgewirkt; es gibt Fans, die sich auf eigenen Festivals im Stil der damaligen Zeit kleiden. Erst 1940 gab es allerdings die erste Verfilmung eines Jane-Austen-Romans; in den 1990er Jahren erreichte der Hype seinen bisherigen Höhepunkt als “Austenmania”.

“Sie wäre erstaunt gewesen, zu sehen, wie sich ihr Vermächtnis entwickelt hat”, sagt in der Doku die britische Historikerin Lizzie Rogers. So wurde ihr Romanstoff auch in zahlreichen Variationen adaptiert – wie etwa im berühmten Weihnachtsfilm “Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück”, wo Mr. Darcy – benannt nach der Hauptfigur aus Austens “Stolz und Vorurteil” – als potenzieller Partner fürs Leben fungiert.

“Die meisten jungen Leute kommen heute über den Film zu Jane Austen”, sagt Literaturwissenschaftlerin Katheryne Sutherland. “Sie ist ja ein Multimediaphänomen. Das sollten wir anerkennen. Denn die Filme sind wunderbar.”

Die Einschätzung der Expertinnen wechseln sich mit zahlreichen Filmausschnitten ab – Szenen, die man als Jane-Austen-Fan immer wieder gern sieht, besonders wenn es sich um den legendär gewordenen Mr. Darcy handelt.

Auch Besucher von Jane-Austen-Festivals werden befragt: In historischen Kostümen im Regency-Stil tanzen sie paarweise durchs Bild wie die Protagonisten auf den Bällen der Austen-Romane. “Ich mag, wie sie reden”, sagt etwa ein älterer Herr, angetan mit Zylinder und Gehrock: “Und ich mag ihre Manieren.”

Ganz neu für junges Publikum setzt die französische Zeichnerin Aurore Jane Austens Bücher in Graphic-Novels um. “Ihre Charakterporträts sind zeitlos”, erklärt sie im Film: “Man wird ihrer nie überdrüssig.”

Selbst langjährige Jane-Austen-Leser mögen durch die Dokumentation noch unbekannte Seiten ihrer unverheiratet gebliebenen Lieblingsautorin entdecken: “Alles ist wünschenswerter und erträglicher als eine Heirat ohne Liebe” betonte sie einst – und war selbst genau eine Nacht verlobt, bevor sie das Heiratsversprechen wieder löste, wie es im Film heißt.

Andre Schäfer ist eine kurzweilige Dokumentation gelungen, die Austens trockenen Humor und ihren Sprachwitz durch viele Zitate zu veranschaulichen weiß – und vielleicht so dafür sorgt, dass ihre Bücher neue Leserinnen und Leser gewinnen – nicht nur zur Weihnachtszeit.