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Aigner warnt bei Holocaust-Gedenken: Geschichte kann sich wiederholen

Mit einem gemeinsamen Gedenkakt haben der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten am Montag in Nürnberg an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zuvor hatten Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), Stiftungsdirektor Karl Freller und Oberbürgermeister Marcus König (CSU) Kränze am Gedenkstein für die Synagoge am Hans-Sachs-Platz niedergelegte, wie der Landtag am Montag mitteilte. Aigner gedachte in ihrer Rede zunächst der Opfer des NS-Regimes. „Ihr Leben, ihr Leiden, ihr Tod haben uns die Richtung gewiesen für unser Grundgesetz, für unsere Demokratie.“ Die gewachsene Erinnerungskultur sei heute „ein Akt der Stärke, des wehrhaften demokratischen Selbstbewusstseins“.

Mit Blick auf Wahl-Umfragen in denen „eine – zumindest in Teilen – gesichert rechtsextreme Partei stärkste Kraft ist“, sowie auf Chauvinismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, politische und religiöse Extremisten und Antisemitismus, fragte Aigner: „Was läuft falsch in unserem Land?“ Sie forderte, dass „Aufrufe zu Gewalt und Vernichtung“ nicht folgenlos bleiben dürften. „Es muss sich etwas ändern in unserem Rechtsstaat, in unserer Gesellschaft, in unserem Denken, Reden und Handeln!“ Geschichte könne sich wiederholen, „wenn wir sie nicht aufhalten“, mahnte Aigner.

Stiftungsdirektor Freller warnte ebenfalls vor wachsendem Antisemitismus. Die Welt sei unsicherer und gespaltener geworden, dadurch sei die Versuchung groß, nach einfachen Antworten und starken Führern zu suchen. „Doch wir haben gelernt: Es gibt kein ‘einfach’. Was zählt, ist die mühsame, tägliche Arbeit für Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde.“

Auf die besondere Rolle der Stadt Nürnberg als „Stadt der Reichsparteitage“, aber auch als Stadt der Nürnberger Prozesse verwies Oberbürgermeister König. Diese Geschichte verpflichte die Stadt in besonderer Weise. „Es ist unser Auftrag, unsere Demokratie zu schützen, die Erinnerung wachzuhalten. Und jeden Tag klar zu sagen: Ausgrenzung hat keinen Platz. Hass hat keinen Platz. Antisemitismus hat keinen Platz – nicht in Nürnberg, nicht in Bayern, nicht in Deutschland.“

An dem Gedenkakt nahmen auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie die Überlebenden Abba Naor und Ernst Grube teil, ebenso wie der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und Erich Schneeberger, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma Landesverband Bayern. (0249/26.01.2026)