Hafengeburtstag und Nacht der Kirchen in Hamburg am gleichen Tag

Ahoi und Amen

Gleich zwei Großveranstaltungen am gleichen Tag? Kein Problem, sagt der Leiter der Nacht der Kirchen. Doch einige Gemeinden haben abgesagt.

Die Nacht der Kirchen hat in diesem Jahr Konkurrenz – vom Hafengeburtstag

von Johanna Tyrell

Hamburg. „Vom Suchen und finden“ – so lautet das diesjährige Motto der Nacht der Kirchen. Doch wer sich am 17. September auf die Suche begibt, der findet unter Umständen nicht Kirche und Kultur, sondern Hopfen, Hafen, Heiterkeit. Denn neben dem kirchlichen Kulturfest werden vom 16. bis 18. September mehr als eine Million Besucher auf dem Hafengeburtstag erwartet.

„Wir bedauern die Termin­kollision der Nacht der Kirchen mit dem verschobenen Hafengeburtstag“, sagt Sieghard Wilm. Er ist Pastor in der Kirchengemeinde St. Pauli. Seit 13 Jahren nimmt die Gemeinde an der Nacht der Kirchen teil – in diesem Jahr allerdings nicht.

Alkohol und Drogen

Die Kirche liegt zwischen Kiez und Hafen, kaum 200 Meter vom Elb­ufer entfernt. „Durch die sehr lauten Bühnen wird die Nachbarschaft am Hafenrand sehr laut beschallt, so dass ein eigenes Musikprogramm in der St.-Pauli-Kirche während des Hafengeburtstags nicht durchgeführt werden kann“, sagt Wilm. Doch nicht nur das: In den Abendstunden sei der Alkohol- und Drogenkonsum hoch, die Polizei überlastet. „Die Sicherheit einer Veranstaltung während des Hafengeburtstags ist nicht gegeben.“

Musik in der Hauptkirche St. Katharinen während der Nacht der Kirchen Foto: Timo Teggatz

Veranstaltungen wie der Hafengeburtstag seien wichtig für Hamburg, sagt Sören Lemke, Leiter des Hamburger Doms, des Hafengeburtstags und der bezirklichen Märkte. Mit den Besuchern ströme auch Geld in die Stadt. „Vor diesem Hintergrund lässt es sich nicht immer vermeiden, dass in starken Veranstaltungsmonaten bestimmte Events parallel stattfinden“, sagt er.


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Der Hafengeburtstag sei eine der wichtigsten Großveranstaltungen Hamburgs. Pandemiebedingt wurde er zweimal abgesagt, dieses Mal soll er stattfinden. Um die zahlreichen Großverstanstaltungen in einer Stadt wie Hamburg zu organisieren und für einen reibungslosen und sicheren Ablauf zu sorgen, muss eine Menge bedacht werden. Etwaige Straßensperrungen, thematisch oder lärmtechnisch konkurrierende Veranstaltungen würden in die Planung mit einbezogen ebenso wie die Sicherheit der Besucher, so Lemke. Da die Nacht der Kirchen hier jedoch nicht als bedenklich eingestuft wird, seien die beiden Veranstaltungen von den Sicherheitsbehörden als umsetzbar erklärt worden.

Von wegen Konkurrenz!

Auch Daniel Wagner, Leiter der Nacht der Kirchen in Hamburg, sieht in der Terminkollision kein Problem. „Hamburg ist eine tolle und große Stadt, die durchaus zwei Großveranstaltungen verträgt. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten.“ Vielmehr hofft er, dass die Nacht der Kirchen von den mehr als eine Million erwarteten Besuchern profitiert. „Vielleicht besucht dann auch der eine oder die andere am Samstagabend eine Kirche. Willkommen sind sie.“ Bislang haben sich knapp 70 Gemeinden mit 279 Veranstaltungen zur Nacht der Kirchen angemeldet.

Es gebe zwar zwei oder drei Gemeinden in unmittelbarer Nähe des Hafens, so Wagner, die in diesem Jahr nicht dabei wären. „Die Power aus diesen Kirchen können wir woanders nutzen, zum Beispiel Jessy Martens und die Vocallights, die so auf unserer NDR-Bühne spielen können und nicht in der St.-Pauli-Kirche gebunden sind.“ Alle anderen Gemeinden in der Stadt und im Umland beträfe die Kollision jedoch weder direkt noch indirekt.

St. Pauli feiert vor

Doch so ganz ohne Nacht der Kirchen geht es in der St.-Pauli-Kirche auch nicht. Die Gemeinde feiert vor mit einer St.-Pauli-Music-Night am Sonntag, 4. September. Ab 19 Uhr singt der Projektchor St. Pauli mit dem Chor Schall und Hauch Gospel, Jazz und Popmusik – ganz ohne Partymusik und Polizeisirenen.

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