75. Buchmesse wird eröffnet – Krieg in Nahost verändert Programm

Die 75. Frankfurter Buchmesse wird am Dienstag eröffnet und zunehmend vom Krieg in Nahost überschattet. Unklar ist, ob Bundeskanzler Olaf Scholz am Dienstagnachmittag wie geplant bei der Eröffnungsfeier sprechen wird. Eine entsprechende KNA-Anfrage an die Buchmesse-Veranstalter blieb zunächst unbeantwortet. Medienberichten zufolge will Scholz in den kommenden Tagen nach Israel reisen.

Zuvor hatte bereits Buchmesse-Direktor Juergen Boos in einem Statement auf der Homepage der Buchmesse erklärt: „Der Krieg gegen Israel, das damit verbundene Leid und die Reisebeschränkungen haben einen Einfluss auf unser Messeprogramm.“ Geplante Konzerte mit den Sängerinnen Liraz und Rita aus Israel könnten „zu unserem großen Bedauern nicht stattfinden“. Boos betonte: „Aber Terror darf niemals siegen, deshalb wollen wir jüdische und israelische Stimmen auf der Buchmesse nun besonders sichtbar machen.“

Dazu passt die Buchmesse eigenen Angaben zufolge auch ihr Programm an. Für Mittwoch hat sie demnach zusammen mit dem PEN Berlin eine Podiumsdiskussion „Aus Sorge um Israel“ im Pavillon auf der Messe organisiert. Als Gäste werden unter anderen die Schriftsteller Tomer Dotan-Dreyfus und Doron Rabinovici sowie der Historiker und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, erwartet. Weiter werde die in Tel Aviv und Berlin lebende Autorin und Friedensaktivistin Lizzie Doron bei der Literaturgala am Buchmesse-Samstag auf das aktuelle Geschehen in Israel Bezug nehmen.

„Ich hoffe sehr, dass uns die Organisation weiterer Events so kurz vor Messebeginn noch gelingen wird“, so Boos. Die Frankfurter Buchmesse stehe solidarisch an der Seite Israels. Boos betonte: „Wir verurteilen den barbarischen Terrorkrieg der Hamas gegen Israel aufs Schärfste.“ Er widerspreche allen Werten der Frankfurter Buchmesse, die für Menschlichkeit und einen friedlichen und demokratischen Diskurs stehe.

Bestätigt ist inzwischen, dass die palästinensische Autorin Adania Shibli anders als ursprünglich geplant nicht auf der Buchmesse geehrt wird. Die vom Verein Litprom organisierte Verleihung des „LiBeraturpreises“ an Shibli war für den Freitag geplant. „Aufgrund des durch die Hamas begonnenen Kriegs, unter dem Millionen Menschen in Israel und Palästina leiden, hat sich der Organisator Litprom e.V. entschlossen, die geplante Preisverleihung des LiBeraturpreises auf der Frankfurter Buchmesse abzusagen“, erklärte Litprom. Man suche nun nach einem „geeigneten Rahmen der Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt“.

Die Buchmesse läuft bis Sonntag. Erwartet wird unter anderen der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie. Er erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zu den großen Themen der Buchmesse gehören Künstliche Intelligenz, Klimawandel und der Kampf gegen Populismus und Extremismus.

Die Frankfurter Buchmesse ist das weltweit größte Branchentreffen von Autoren, Verlagen und Lesepublikum. Die Bücherschau war erstmals im Jahr 1949 unter Beteiligung von 205 deutschen Verlagen in der Frankfurter Paulskirche ausgerichtet worden. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 4.000 Aussteller aus 95 Ländern teil.