Das Interesse an NS-Gedenkstätten in Hamburg ist weiter gestiegen: Im vergangenen Jahr haben sich insgesamt rund 185.000 Menschen über die Geschichte des Nationalsozialismus informiert. „Das waren knapp 30.000 Gäste mehr als im Jahr 2024“, sagte Oliver von Wrochem, Leiter der Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gebe einen erhöhten Bedarf an Aufklärung. Mit Abstand am häufigsten wurde die KZ-Gedenkstätte Neuengamme besucht (113.800), so die Bilanz der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen.
„Gedenkstätten informieren über die Verbrechen in der nationalsozialistischen Diktatur und sensibilisieren zugleich für die Gefährdungen der Demokratie in der Gegenwart“, sagte von Wrochem. Durch Sonderausstellungen und Veranstaltungen in Hamburg sowie Ausstellungen in Lübeck, Bad Schwartau und Berlin sei die Gedenkarbeit der Stiftung im vergangenen Jahr noch sichtbarer geworden.
Dabei werden Gedenkstätten zunehmend zur Zielscheibe von Angriffen: Im vergangenen Jahr wurden in Neuengamme 24 rechtsextreme, antisemitische und menschenfeindlich motivierten Vorfälle gezählt, 2022 waren es nur vier. „Es handelt sich größtenteils um Aufkleber, Schmierereien und Vandalismus“, sagte von Wrochem. Verfassungsfeindliche Äußerungen und das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole oder Schändungen des Ortes würden konsequent bei der Polizei angezeigt. „Wir bekommen auch Anrufe von Personen, die sich rechtsextrem äußern“, sagte der Historiker.
Als Reaktion auf die Zwischenfälle hatte die Gedenkstätte bereits 2023 ihre Hausordnung verschärft. Ziel sei, den Ort zu schützen und seine Würde durch respektvolles Verhalten zu achten, heißt es darin. Mit der neuen Hausordnung soll für das Aufsichtspersonal deutlich sein, wann und wie es einschreiten sollte.
Ein bundesweites Problem: Vandalismus durch Hakenkreuz-Schmierereien, Beschädigungen von Gedenktafeln oder Leugnung der NS-Verbrechen nähmen in ganz Deutschland zu, sagte von Wrochem, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in Deutschland ist. „Dieses erhöhte Aufkommen ist Ausdruck davon, dass rechtsextreme und antidemokratische Positionen gesellschaftlich an Zustimmung gewinnen.“
Um dagegen zu halten, entwickeln Gedenkstätten immer neue Formate. In Hamburg gebe es neue Kooperationen mit Fanszenen und Sportvereinen, das jüngste Projekt ist der sechsteilige Podcast „Erinnerungs-DING“ in leichter Sprache. „Damit wollen wir möglichst viele Menschen niedrigschwellig erreichen“, sagte von Wrochem. Der Podcast über nationalsozialistische Deportationen geht am 2. Februar online und wurde von 15 jungen Erwachsenen mit und ohne Behinderung erarbeitet.
Neben der NS-Geschichte stehen in diesem Jahr neue Themen an, wie etwa rechtsextrem motivierte Gewalt nach 1945 sowie Ursachen und Folgen der gegenwärtigen Ausgrenzungsideologien. Von Wrochem: „Wir müssen auch als Gedenkstätten die Demokratie verteidigen.“
Die Hamburger Stiftung betreut in Hamburg die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, den Geschichtsort Stadthaus, das denk.mal Hannoverscher Bahnhof sowie die Gedenkstätten Bullenhuser Damm, Poppenbüttel und Fuhlsbüttel.