Urlauberseelsorge auf Föhr im Wandel der Zeit

Zur Polonaise ins Watt

Wyk auf Föhr feiert seinen 200.Geburtstag als Seebad. Auch die Urlauberseelsorge hat sich entwickelt – und zieht sogar Freiwillige aus Bayern an.

Monika Reinke sitzt auf einer Bühne und liest aus einem Buch vor

Monika Reinke erzählt die beliebte Gute-Nacht-Geschichte

von Catharina Volkert

Wyk/Föhr. „Muh sagte die Kuh, was soll sie denn sonst sagen?“, Monika Reincke blickt von ihrem Sessel in viele große Kinderaugen. Sie erzählt die Geschichte von Fischbrötchen. Fischbrötchen ist eine Schildkröte, die erstmals in ihrem Leben einer Kuh begegnet.

Es ist ein Freitagabend auf Föhr – und wie fast jeden Abend gibt es die „Gute-Nacht-Geschichte“ im Treffpunkt Urlauberseelsorge. Seit gut 30 Jahren arbeitet Monika Reincke im Treffpunkt Urlauberseelsorge, der bis 2018 Freizeithelferladen hieß.

Friesische Karibik

Reinkes Zielgruppe gibt es seit 200 Jahren. Es sind die Gäste von Föhr. 1819 wurde „Wieck“, wie es damals hieß, anerkanntes Seebad – das erste an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein. Das feiert die Insel am Montag, 15. Juli – etwa mit einer Polonaise im Watt.

Begann mit der Entdeckung der milden Luft der „friesischen Karibik“ auch die Geschichte der Urlauberseelsorge? „Uns gibt es seit den 1970er-Jahren hier“, erzählt Reincke. „Wer früher in die Kirche wollte, besuchte einfach einen Gottesdienst der örtlichen Gemeinden“, ergänzt Ulrich Schmidt aus dem Gemeindedienst der Nordkirche, verantwortlich für die Kirche am Urlaubsort. Gottesdienste, Seelsorge, Musik – die Gäste der Insel waren dann auch die Gäste einer Gemeinde.

In einer Zeit, in der Theologe Ernst Lange die sogenannte „Ladenkirche“ in Berlin-Spandau eröffnete – mit einem offenen Treffpunkt hinter einem Schaufenster – bekam auch Föhr einen Laden: einen Raum, ganz zentral in der Fußgängerzone, geöffnet und betreut von Ehrenamtlichen. „Freizeithelferladen“ nannte man dieses offene Angebot. „Die Leute sollten nicht gehemmt sein, weil ‚Kirche drauf steht“, erklärt Monika Reincke. „Sie sollten spüren, dass etwas anders ist, und feststellen, dass das Kirche ist.“

Geschichten von Seefahrern

Auch Ulrich Schmidt war Freiwilliger im Freizeithelferladen.„Studenten konnten dort Praktika machen. Das war eine tolle Möglichkeit, um Praxis und Theorie zu verbinden“, erzählt er. Pädagogen und Theologen seien so auf die Insel gekommen. Auch Schmidt fuhr zum Helfen nach Föhr. „Damals bin ich über ein Plakat in meinem Studentenwohnheim in Erlangen auf die Freizeithelfer aufmerksam geworden“, sagt er. Ein Freund kannte das Angebot schon und begeisterte ihn, mitten in Bayern, für die Arbeit auf der norddeutschen Insel. Von da an reiste er, damals noch Theologiestudent, Jahr für Jahr ins Wattenmeer. „Wir waren lange das einzige Animationsprogramm auf Föhr“, erzählt Schmidt. „In Wyk gab es quasi nichts anderes außer uns“.

Und so sorgten die Studenten für Unterhaltung für alle, luden etwa Seefahrer um Kap Horn ein, die den Touristen von ihrem Abenteuern auf den Meeren berichteten. Mit Monika Reincke gibt es seit 1991 erstmals eine fest angestellte Sozialpädagogin für die Freizeithelfer auf Föhr. Aber nach wie vor engagieren sich hier junge Erwachsene, sie absolvieren ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, auch Praktikanten gibt es. Etwa drei bis sechs Mitarbeiter gehören ins Team.

Dieses Team gestaltet nicht nur von Montag bis Freitag eine Gute-Nacht-Geschichte mit Puppenspiel, Liedern und Abenteuern wie etwa das von Fischbrötchen, der Schildkröte. Es gibt Andachten am Strand, Kreativangebote, offene Treffzeiten. „Wir initiieren etwas, damit sich Menschen begegnen und etwas gemeinsam tun. Bewusst bieten wir keine Kinderbetreuung an, sondern Veranstaltungen für Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern“, sagt Reincke. Der Familienzusammenhalt solle so gestärkt werden.

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