Einsichten – die christliche Kolumne

Wünsche zu Silvester

Warum eine Kirche auch in der Silvesternacht der richtige Ort ist, darüber schreibt Pastor Tilman Baier. Er ist Chefredakteur der Kirchenzeitung in Schwerin.

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns.“ aus 1. Johannesbrief 5, 14
Sie wird auch diesen Jahreswechsel nicht feiern. „Was soll ich dazu auch für einen Grund haben, mit anderen anzustoßen und ihnen ein glückliches Jahr zu wünschen? Oder gar draußen auf der Straße mir die Knaller um die Ohren sausen zu lassen?“ Sie, seit ein paar Jahren Witwe, wird spätestens um 22 Uhr ins Bett gehen, so wie jeden Abend, erzählt sie mir. Das nächste Jahr wird auch ohne Feier kommen. Und dabei schaut sie mich herausfordernd an, auf meinen Widerspruch wartend.
Ja, ich feiere den Übergang von dem einen Jahr zum anderen. Auch wenn ich inzwischen nicht mehr auf den Ruck warte, auf den ich als Kind immer gelauert habe, so sind mir die Rituale der Silvesternacht lieb und wert. Die Altjahresvesper, das Zusammensitzen mit dem Austausch von Erinnerungen, dann die ersten Minuten des Neuen Jahres unter Glockengeläut in der Kirche, die nur durch die Altarkerzen erleuchtet ist. Ja, und dann werde auch ich mit Familie und Freunden ein paar Raketen in den Himmel steigen lassen, die diese ersten Nachtstunden des noch im Dunkel vor uns liegenden Jahres erhellen sollen. Und in mir wird sicher wieder diese ganz eigene Gefühlmischung aus Dankbarkeit, Vorfreude und Bangen aufsteigen, die geradezu danach schreit, einen gestalteten Rahmen zu bekommen.
Vielleicht ist ja das der Grund, warum immer mehr Menschen für die letzten Minuten des alten Jahres die Angebote offener Kirchentüren und meditativer Andachten annehmen. Denn Kirchgebäude und Liturgie können zu einem geschützten Raum werden, wohin ich mit meinen diffusen Gefühlen fliehen kann. Unter dem Kreuz ist der Platz, wo ich meine Sorgen einem anderen anempfehlen darf.
Und: Im Angesicht des Kreuzes werden meine oft sehr Ich-bezogenen Wünsche für das kommende Jahr auf den Prüfstand gestellt. Können sie dem Blick Gottes standhalten? Manche werden so zu Bitten werden, die andere einschließen „nach seinem Willen“. Und ich werde mit der Hoffnung ins Neue Jahr entlassen, dass er sie gehört hat.
Unser Autor
Pastor Tilman Baier
ist Chefredakteur der Kirchenzeitung in Schwerin.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch. – See more at: http://www.evangelische-zeitung.de/news-evangelische-zeitung/news-detail-home/nachricht/mit-konflikten-leben.html#sthash.9m3M1oPr.dpuf

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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