Warum es eine Herausforderung ist, die Bibel zu übersetzen

Worte aus einer anderen Welt

Der Reformator hat sich an der Sprache des Volkes orientiert, als er die Bibel übersetzte. Heute gibt es zahlreiche deutsche Versionen. Die Probleme bei der Übersetzung erklärt der Hamburger Pastor Peter Fahr.

Peter Fahr ringt um die richtige Sprache – wie einst Luther

von Marieke Lohse und Friederike Lübke

Hamburg. „Dem Volk aufs Maul schauen“, so lautet der berühmte Ausspruch Martin Luthers, der bis heute immer wieder zitiert wird, wenn es darum geht, zu erklären, was Luthers Bibelübersetzung ausmacht. Seit der ersten Version Mitte des 16. Jahrhunderts wurde seine Übersetzung mehrfach revidiert, die letzte Fassung stammt von 2017, aus dem Jahr des Reformationsjubiläums. Sie enthält, wie der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort schreibt, sogar wieder „mehr Luther“, weil sie einige Veränderungen von Luthers Übersetzungen in früheren Ausgaben zurückgenommen hat.

Luthers großes Sprachgefühl und seine Kreativität haben den deutschen Bibeltext geprägt, von Worten, die Luther erst erfand – wie „friedfertig“ – bis zu Sprachbildern, die als Redensarten in die Alltagssprache übergingen, wie „ein Herz und eine Seele sein“.

Nur bedingt verständlich

Der Reformator wollte so verständlich wie möglich sein. Das trifft auf den Luthertext heute allerdings nur noch bedingt zu, findet Peter Fahr, Pastor der Gemeinde Hamburg-Duvenstedt und selbst Bibelübersetzer. Wenn man im Gottesdienst die Paulusbriefe in der Lutherübersetzung vorlese, dann „verstehst du am Anfang erst mal nur Bahnhof und Koffer klauen“, sagt er. Diesen Text zu konservieren geht aus seiner Sicht an Luthers Intention vorbei.

Andere Übersetzungen versuchen, dem heutigen Leser näher zu kommen. Zwar ist der Luther-Text im Gottesdienst immer noch Standard, aber es gibt es mittlerweile viele andere Bibelübersetzungen, etwa die „Hoffnung für alle“, die Zürcher Bibel oder die Basis-Bibel.

Luther-Büste Foto: Jens-Ulrich Koch / epd

Fahr arbeitet gerade selbst an einer Übersetzung der Bibel. Sein Ziel: Einzelne Taschenbücher, die man wie einen Roman am Stück lesen – und verstehen – kann. Das soll Lesern die Ehrfurcht vor der Bibel nehmen, die vielleicht nur dazu führt, dass man sie nie in die Hand nimmt. Für Fahr ist die Bibel nicht nur das wichtigste Buch der Kirche, sondern auch „eine literarische Glanzleistung, die über Generationen entstanden ist“, wie er sagt.

Stoff für einen Roman

„In meinem beruflichen Gebrauch hatte ich die Bibel immer nur in ganz kurzen Geschichten oder in einzelnen Versen zu verwenden, und irgendwie erschien mir das unbefriedigend. Ich wollte den größeren Zusammenhang kennenlernen und den roten Faden finden“, sagt er als Begründung für sein Projekt.

Romanstoff bietet die Bibel aus seiner Sicht viel, von der Josefs­geschichte über die schwierige Beziehung zwischen Samson und Delila, oder das Komplott der Witwe Judith gegen den bösen babylonischen Feldherrn Holofernes. „Das sind schon dolle Geschichten“, sagt er. Wer literarisch interessiert ist und Lust habe zu lesen, werde fündig werden.

Hebräisch ist eine Herausforderung

Die Texte vom Hebräischen ins Deutsche zu übersetzen, ist allerdings eine Herausforderung. Beim Alten Testament gestaltet sie sich noch schwieriger als beim Neuen, weil es über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden ist. Dazu kommen viele sprachliche Besonderheiten, für die ein Übersetzer eine Lösung finden muss, etwa die Hebräische Lyrik so zu übertragen, dass man sie noch als Lyrik wahrnimmt. Oder Psalmen, bei denen jeder Vers mit einem anderem Anfangsbuchstaben des hebräischen Alphabets beginnt – das aber nicht die gleichen Buchstaben hat wie das Deutsche.

Fahr hat festgestellt, dass Luther sich auch mehr am Griechischen orientiert hat. Gleichzeitig hat seine Wertschätzung der Lutherbibel nicht abgenommen: „Das ist ein ganz eigenes Sprachkunstwerk, das muss man als solches auch würdigen“, sagt er. Weihnachten einen anderen Text vorlesen als den von den Luther? Undenkbar, findet er.

Endlich ein flüssiger Text

Was bringt es, seine Bibelübersetzung zu lesen? „Ich hoffe, erstmal Lesevergnügen“, sagt er. Die Rückmeldung, die er bisher bekommt hat, seien positiv. Die Menschen seien dankbar, dass sie den Text flüssig und im Zusammenhang lesen konnten, ohne dass es „zu Blätterarbeit verkommt“ . Was man dann für seinen Glauben daraus mache, sei noch mal eine andere Sache, erklärt Fahr: „Ich möchte an dieser Stelle einfach der Anwalt dafür sein, dass man die Bibel in die Hand nimmt und liest.“

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